Facharztausbildung in einer Reha-Klinik oder Akut-Klinik beginnen?

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Der MediClin-Klinikkonzern hat uns einen weiteren interessanten Einblick in den Klinikalltag eines Ihrer Chefärzte gewährt. Dieses Jahr haben Sie bereits über den Alltag in ReHa-Kliniken, der Anästhesie und der Neurologie berichtet.

Heute können wir uns über Fragen und Antworten von Dr. Witt freuen.

Dr. Witt ist Chefarzt der Fachklinik für Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen bei der MediClin Albert Schweitzer Klinik.

Frage 1:

„Sehr geehrter Herr Dr. Witt,

ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, für die Facharzt-Ausbildung direkt in einer Rehaklinik anzufangen oder zunächst Erfahrungen in einer Akut-Klinik zu sammeln?

Vielen Dank für Ihre Antwort!“

Antwort:

Es kann sinnvoll sein, die Facharztausbildung in einer Rehabilitationsklinik zu beginnen.

In einer gut etablierten Rehabilitationsklinik sammeln sich häufig Patienten mit interessanten Krankheitsbildern, da der Einzugsbereich der Rehabilitationskliniken meist deutlich größer ist, als der eines Kreiskrankenhauses. Der Patient wird in der Rehabilitationsklinik in der Regel länger als im Akutkrankenhaus behandelt. Somit kann sich der Arzt länger mit dem Patienten und seinem Krankheitsbild auseinandersetzen. Man wird den Patienten und seine Erkrankung auch in einer wesentlich alltagsnäheren Situation als im Akutkrakenhaus erleben. Dies kann z. B. für eine spätere hausärztliche Tätigkeit sehr wertvoll sein.

In einer guten Rehabilitationsklinik wird es auch Gelegenheit geben, die fachgebietsspezifische Diagnostik zu erlernen.

Andererseits kann es sinnvoll sein, akutmedizinische Kenntnisse zu erwerben, bevor eine Tätigkeit in einer Rehabilitationsklinik begonnen wird. Insbesondere in den Bereitschaftsdiensten wird auch der Assistenzarzt mit akuten Problemen der Rehabilitationspatienten konfrontiert. Es befindet sich aber auch in der Rehabilitationsklinik stets ein Facharzt im Hintergrunddienst, der jederzeit unterstützend tätig werden kann.

Letztlich muss jeder Berufsanfänger für sich entscheiden, welcher Start in die Tätigkeit als Assistenzarzt für ihn in Abhängigkeit von seinen Interessen, dem Fachgebiet und seiner Berufsplanung der beste sein wird.

Frage 2:

„Ich würde eigentlich gern Hausärztin werden und denke, dass es für meine spätere Arbeit wichtig ist, auch Erfahrungen in der Reha zu haben. Kann ich mir die Arbeit in einer Reha-Klinik auf meine Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin anrechnen lassen?“

Antwort: 

Die Tätigkeit in einer Rehabilitationsklinik kann auf die Facharztausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin angerechnet werden. Voraussetzung ist, dass der Chefarzt der Rehabilitationsklinik die entsprechende Weiterbildungsberechtigung z.B. bezüglich der Basisweiterbildung Innere Medizin besitzt.

Beispielsweise haben wir in der MediClin Albert Schweitzer und Baar Klinik im Bereich der Kardiologie, Angiologie und Pneumologie 2 Jahre Weiterbildungsberechtigung und in der Psychosomatik 1 ½ Jahre. Somit kann die fast die gesamte Basisweiterbildung Innere Medizin in unserer Klinik erworben werden.

Informationen über die Weiterbildungsberechtigung von Chefärzten und Kliniken finden Sie auf der Homepage der regional zuständigen Ärztekammer.

Frage 3:

„Bisher bin ich unentschlossen, welche Fachrichtung für mich die Richtige ist. Ich schwanke eigentlich zwischen Anästhesie und Innerer Medizin, weil mich die Intensivmedizin und die Akutbehandlung von Patienten interessiert. Andererseits ist mir die Zeit für Gespräche mit Patienten sehr wichtig, was sicher auch in der Rehabilitationsmedizin eine wichtige Rolle spielt. Die Akutbehandlung würde dagegen wohl eher einen geringen Stellenwert haben. Welche Herausforderungen stellen sich den Ärzten denn ansonsten in der Reha-Medizin?“

Antwort:

In den Rehabilitationskliniken werden Patienten mit chronischen Gesundheitsstörungen (Heilverfahren) und Patienten nach/mit akuten Erkrankungen, die im Akutkrankenhaus behandelt wurden (Anschlussheilbehandlungen, AHB) behandelt. In vielen Kliniken liegt der Anteil an AHB-Patienten bei über 70 %.

Die AHB-Patienten kommen in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend kränker in die Rehabilitationskliniken. Aufgrund der verkürzten Liegezeiten in den Akutkrankenhäusern erfolgen die Verlegungen früher und die Reha-Kliniken müssen Aufgaben übernehmen, die vor einigen Jahren noch in der Akutklinik angesiedelt waren. Beispielsweise werden Patienten nach Herzoperationen häufig am 6. bis 8. postoperativen Tag in die Rehabilitationsklinik übernommen.  

Insofern haben wir in den Reha-Kliniken Patienten, bei denen der Gesundheitszustand und die Stabilität der relevanten diagnostischen Parameter ähnlich wie in der Akutklinik engmaschig kontrolliert und kurzfristig darauf reagiert werden muss.

 Die Aufgaben in der Rehabilitation umfassen u. a. folgende Felder:

  1. Die medizinische Betreuung, Diagnostik und Therapieoptimierung
  2. Die Information und Schulung von Patienten (Seminare, Einzelgespräche)
  3. Das Erlernen und Praktizieren angemessenen körperlichen Trainings inklusive Sport- und Physiotherapie, Gymnastik, Entspannungsverfahren
  4. Hilfestellung bei und Motivation zur Modifikation des Lebensstils hin zu einer gesundheitsförderlicheren Lebensweise
  5. Hilfestellung bei der Krankheitsverarbeitung und Vorbereitung auf die Wiedereingliederung in das private und berufliche soziale Umfeld

 Diese Aufgaben werden unter Federführung der Ärzte (Assistenzarzt mit Ober- und Chefarzt) vom Therapeutenteam der Reha-Klinik übernommen. Zu diesem Team gehören Schwestern und Pfleger, Psychologen, Physio- und Sporttherapeuten, Ergotherapeuten, Ernährungsberater, Sozialarbeiter und ggf. weitere Mitarbeiter wie z.B. Logopäden.

Ein Arzt in der Rehabilitationsklinik kann somit viele Erfahrungen sammeln und Aufgabengebiete finden, die für eine umfassende Patientenbehandlung von großer Bedeutung sind.

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