Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Der Allrounder: Facharzt für Allgemeinmedizin

Den Facharzt in der Allgemeinmedizin könnte man als Allrounder in der Medizin bezeichnen. Nach der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin hat der Arzt nämlich ein so breites Spektrum an Inhalten erfahren, welche ihn zu einer Art Schnittstelle zu anderen Fachbereichen macht und zu übergreifendem Handeln in seinem Fach führt.

Der Allgemeinmediziner ist meistens bei Gesundheitsproblemen oder Fragen zur Gesundheit der erste Ansprechpartner der Patienten. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Art der Beschwerden betreut er alle Patienten und dies oftmals ein Leben lang, so dass zwischen ihm und dem Patienten ein Vertrauensverhältnis gebildet. Viele Allgemeinmediziner lassen sich in Ihrer eigenen Praxis nieder und vereinen dabei fachliche Kompetenz, den Bezug zum Patienten und das wirtschaftliche Denken zum Führen einer Praxis. Wenn man sich hingegen für eine Anstellung entschließt, steht einem ein breites Spektrum an Stellenangeboten in der Allgemeinmedizin zur Verfügung.

Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin

Mit der Approbation erhält man in Deutschland die vollständige Berechtigung zur Ausübung des Arztberufes, worauf der Berufseinstieg als Assistenzarzt erfolgt. Mit der ersten Stelle beginnt für junge Ärzte die Facharzt Weiterbildung beispielsweise in der Allgemeinmedizin.

Die Bezeichnung Facharzt kann mit der abgeschlossenen, mehrjährigen Weiterbildung in genau einem medizinischen Fachbereich erzielt werden. So auch der Facharzt in der Allgemeinmedizin.

Dauer der Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Generell ist die Voraussetzung für den Titel des Facharztes ist in Deutschland eine mehrjährige Ausbildung, die in der Regel 5 bis 6 Jahre dauert. Diese Dauer verlängert sich entsprechend bei der Arbeit in einem Teilzeitmodell.

In der Facharzt Weiterbildung Allgemeinmedizin gehen wir von einer Dauer von 60 Monaten aus.

Die Monate teilen sich wie folgt auf:

  • 36 Monate: Stationäre Basisweiterbildung in der Inneren Medizin
  • 24 Monate: Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung (6 Monate Chirurgie möglich)
  • 80 Stunden: Als Abschluss folgt eine Kurs-Weiterbildung in der psychosomatischen Grundversorgung

Eine relative junge Möglichkeit zur Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin gliedert diese 60 Monate beispielsweise etwas anders auf.

  • Mindestens 24 Monate in der stationären internistischen Versorgung
  • Mindestens 18 Monate in der ambulanten hausärztlichen Versorgung
  • Restliche 18 Monate wahlweise auf der Station in der Inneren Medizin oder ambulant in der hausärztlichen Praxis

Sogar 6 Monate Chirurgie können angerechnet werden.

Inhalte der Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Während der Weiterbildung zum Facharzt in der Allgemeinmedizin werden facettenreiche Inhalte gelernt. Die Inhalte werden durch die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer festgelegt. Demnach sind folgende Weiterbildungsinhalte durch die Musterweiterbildungsordnung vorgegeben:

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in den Inhalten der Basisweiterbildung aus dem Gebiet Innere Medizin:

  • der Gesundheitsberatung, der Früherkennung von Gesundheitsstörungen einschließlich Gewalt- und Suchtprävention, der Prävention, der Einleitung und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen sowie der Nachsorge
  • der Erkennung und Behandlung von nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieser Erkrankungen im höheren Lebensalter
  • den Grundlagen der Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen im Alter einschließlich der Pharmakotherapie im Alter Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen einschließlich der Krisenintervention sowie der Grundzüge der Beratung und Führung Suchtkranker
  • Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen
  • ernährungsbedingte Gesundheitsstörungen einschließlich diätetischer Behandlung sowie Beratung und Schulung
  • Durchführung und Dokumentation von Diabetikerbehandlungen
  • den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen
  • den Grundlagen der Arzneimitteltherapie
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit
  • der intensivmedizinischen Basisversorgung

den weiteren Inhalten:

  • der primären Diagnostik, Beratung und Behandlung bei allen auftretenden Gesundheitsstörungen und Erkrankungen im unausgelesenen Patientengut
  • der Integration medizinischer, psychischer und sozialer Belange im Krankheitsfall
  • der Langzeit- und familienmedizinischen Betreuung
  • Erkennung und koordinierte Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter
  • interdisziplinärer Koordination einschließlich der Einbeziehung weiterer ärztlicher, pflegerischer und sozialer Hilfen in Behandlungs- und Betreuungskonzepte, insbesondere bei multimorbiden Patienten
  • der Behandlung von Patienten in ihrem familiären Umfeld und häuslichen Milieu, in Pflegeeinrichtungen sowie in ihrem weiteren sozialen Umfeld einschließlich der Hausbesuchstätigkeit
  • gesundheitsfördernden Maßnahmen, z. B. auch im Rahmen gemeindenaher Projekte
  • Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen
  • der Erkennung von Suchtkrankheiten und Einleitung von spezifischen Maßnahmen
  • der Erkennung, Beurteilung und Behandlung der Auswirkungen von Umwelt und Milieu bedingten Schäden einschließlich Arbeitsplatzeinflüssen
  • der Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates unter besonderer Berücksichtigung funktioneller Störungen
  • den für die hausärztliche Versorgung erforderlichen Techniken der Wundversorgung und der Wundbehandlung, der Inzision, Extraktion, Exstirpation und Probeexzision auch unter Anwendung der Lokal- und peripheren Leitungsanästhesie

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden aus der Basisweiterbildung aus dem Gebiet Innere Medizin:

  • Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeit-EKG
  • Langzeitblutdruckmessung
  • spirometrische Untersuchungen der Lungenfunktion
  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich Urogenitalorgane
  • Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse
  • Doppler-Sonographien der Extremitäten versorgenden und der extrakraniellen Hirn versorgenden Gefäße
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Proktoskopie

Quelle: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer

Für gewöhnlich findet in Deutschland die Facharztausbildung weitestgehend im Rahmen der klinischen ärztlichen Tätigkeit statt. Dabei ist die Facharztausbildung eine bezahlte Tätigkeit.

Weiterbildungsverbünde für eine attraktivere Weiterbildung Allgemeinmedizin

In Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Weiterbildungsverbünde in der Allgemeinmedizin, die dafür da sind eine Weiterbildung zum Facharzt in der Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten. Durch den Zusammenschluss in einem solchen Weiterbildungsverbund von verschiedenen Kliniken und niedergelassenen Ärzten kann eine kontinuierliche Weiterbildung gewährleistet werden. Damit ist es dem Jungmediziner möglich seine kompletten fünf Jahre Weiterbildung in einer Region abzuleisten und muss sich nicht für jede Station separat bewerben.

Für den Jungmediziner gibt es zudem eine langfristige Planungssicherheit, da in der Regel mit festen Rotationsplänen gearbeitet wird.

Die Facharztprüfung und Niederlassung

Nach Abschluss der Ausbildung muss eine Facharztprüfung bei der Landesärztekammer durchgeführt werden. Wurde die Prüfung erfolgreich bestanden und der Facharzt-Titel erworben, kann eine Niederlassung erfolgen. Eine Niederlassung ist eine Übernahme oder eine Neugründung einer Arztpraxis. Wie zuvor beschrieben kann dabei nur ein Facharzt die Kassenpatienten versorgen. Der Facharzt muss zwingend eine Mitgliedschaft bei der Landesärztekammer des jeweiligen Bundeslandes haben, welche für die kassenärztliche Versorgung benötigt wird. Ohne Kassenzulassung bzw. ohne den Facharzt-Titel ist lediglich die Behandlung von Privatpatienten möglich.

Zukunftsperspektive nach der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Der Beruf als Allgemeinmediziner ist definitiv ein Beruf mit Zukunft. Der Bedarf ist groß, vor allem im Bereich der immer sich stets vermehrenden Praxisabgaben und die Zusammenschlüsse zu Praxisgemeinschaften.

In Deutschland gibt es aktuell etwa 44.000 berufstätige Ärzte in der Allgemeinmedizin. Damit ist die Allgemeinmedinzin auf Platz 2 der Fachbereiche nur kurz hinter der Inneren Medizin, die mit 49.000 berufstätigen Ärzten auf Platz 1 liegen. Danach folgt erst mit 35.000 Ärzten die Chirurgie.

Passende Facharztstelle in der Allgemeinmedizin finden

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