Weiterbildung Sozialmedizin

Facharzt für Sozialmedizin

Viele entscheiden sich für die Weiterbildung Sozialmedizin, nachdem sie einige Jahre in der Klinik gearbeitet haben. Der Wunsch nach geregelten Arbeitszeiten ohne Nachtschichten und Bereitschaftsdienste lockt Fachärzte verschiedenster Fachrichtungen in die Sozialmedizin. Dabei handelt es sich beim Aufgabenfeld um keinen klassischen „Schreibtischjob“. Häufig erfordert die gutachterliche Tätigkeit eine intensive Beschäftigung mit dem Fall. Hierfür werden Fachgespräche mit behandelnden Ärzten und körperliche Untersuchungsbefunde der Patienten herangezogen.

Was sind die Aufgaben der Sozialmediziner?

Während sich die klinische Fächer mit der Gesundheit und Krankheit des Einzelnen befassen, stellt die Sozialmedizin Zusammenhänge zu den gesellschaftlichen Auswirkungen her. Sie wird unterteilt in Angewandte Sozialmedizin, Forschung und Lehre.

Angewandte Sozialmedizin

In der angewandten Sozialmedizin ist der Großteil der Ärzte als Gutachter tätig. Dabei ist ihre Aufgabe die Vermittlung zwischen Patienten, deren ärztlichen Behandlern und großen Sozialleistungsträgern. Dies können Krankenversicherungen, Rentenversicherungen, Gesundheitsämtern und Rehabilitationseinrichtungen sein.

Bei der gutachterliche Tätigkeit wird beurteilt, welche Leistungen aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen erforderlich sind. Mögliche Fragestellungen dabei lauten:

  • ist der Patient arbeitsunfähig und wie lange wird dieser Zustand voraussichtlich andauern?
  • welche Rehabitilationsleistungen sind nötig, um den Gesundheitszustand des Patienten zu fördern und wie lange sollen diese durchgeführt werden?
  • welcher Grad der Behinderung (GdB) liegt beim Betroffenen vor?

Auch finanzelle Fragestellungen beim Anspruch auf Arbeitslosengeld und Rente fallen in den Aufgabenbereich der sozialmedizinischen Gutachter. Allerdings kann sich ein Sozialmediziner bei der Erstellung eines Gutachtens nicht nur auf bereits vorliegende Untersuchungsbefunde verlassen. Eine selbst durchgeführte körperliche Untersuchung gehört häufig dazu. Vor allem bei der gutachterlichen Tätigkeit für Arbeits- und Versorgungsämter werden praktische Tätigkeiten gefordert.

Forschung

In der Forschung sind Sozialmediziner an der Erstellung neuer Konzepte der Versorgungsforschung beteiligt. In der wissenschaftlichen Forschung ist die Sozialmedizin eng mit der Epidemiologie verbunden. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen in der Versorgung von Menschen mit Mehrfachbehinderung, neuen Entwicklungen bei der Versorgung chronisch kranker Menschen und der gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen.

Lehre

Sozialmedizinische Fortbildungen für Ärzte werden oft von ausgebildeten Sozialmedizinern durchgeführt. Ihre Aufgabe ist es, die gesellschaftlichen Auswirkungen von Krankheit auch nicht-Sozialmedizinern nahe zu bringen. Auch bei der ärztlichen Ausbildung im Medizinstudium, an den medizinischen Fakultäten in ganz Deutschland, ist die Sozialmedizin als Pflichtfach integriert. An einigen Universitäten sind eigene Abteilungen und Institute zu finden. An anderen wird die Sozialmedizin durch Arbeitsmedizin, Medizinsoziologie oder andere Fächer vertreten.

Weiterbildungsmöglichkeiten zum Sozialmediziner

Als relativ kleines Fach gibt es für die Sozialmedizin derzeit noch keine eigene Facharztausbildung. Stattdessen kann nach der Facharztanerkennung eine Weiterbildung bei den zuständigen Landesärztekammern erfolgen. Grundsätzlich ist die Fachrichtung der vorangegangenen Ausbildung nicht relevant. Allerdings gibt es Überschneidungen mir der Arbeitsmedizin (Betriebsmedizin), dem Öffentlichen Gesundheitswesen, der Hygiene- und Umweltmedizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin und der Rechtsmedizin.

Die Weiterbildungszeit beträgt:

  • 160 Stunden Grundkurs in Sozialmedizin oder Rehabilitationswesen
  • 160 Stunden Aufbaukurs
  • 12 Monate bei einem Weiterbildungsbefugtem für Sozialmedizin.

Die Kurse werden als 4 Blöcke Grundkurs (A, B, C, D) und 4 Blöcke Aufbaukurs (E, F, G, H) mit je 40 Stunden angeboten. Die meisten Anbieter unterrichten zwei Blöcke direkt hintereinander mit einer Dauer von einer Woche pro Block. Einige Ausbildungsinstitute bieten auch Wochenendkurse an.

Eine Reihenfolge, in der die Kurse besucht werden sollen, ist nicht vorgegeben. Neben theoretischem Unterricht werden Betriebs- und Klinikbegehungen durchgeführt.

Als sogenanntes Brückenfach sind die theoretischen Ausbildungsinhalte stark mit nicht-medizinischen Fächern verknüpft. Soziologie, Sozialarbeit, Psychologie, Statistik, Recht und Gesundheitsökonomie sind im Curriculum enthalten und bilden neben der Medizin die Wissensgrundlage für gutachterliche Tätigkeiten.

Einsatzgebiete eines Sozialmediziners

Im Gegensatz zur klinischen Weiterbildung, sind die Weiterbildungsbefugte für die Zusatzweiterbildung Sozialmedizin nicht ausschließlich im Krankenhaus zu finden. Folgende Einrichtungen bieten eine Ausbildung an:

  • ambulante Reha-Zentren
  • große Krankenhäusern und Unikliniken
  • Arztpraxen
  • Gesundheitsämter
  • der medizinische Dienst der Krankenversicherungen und Rentenversicherungen
  • Versorgungsämter für Städte und Länder
  • die Bundesagentur für Arbeit

Wie sind die Arbeitsbedingungen und Gehaltsaussichten in der Sozialmedizin?

Die Gehälter und Arbeitsbedingungen in der Sozialmedizin sind abhängig vom Arbeitgeber und der Berufserfahrung. In Krankenhäusern gelten die Tarifverträge für Ärzte. Andere Stellen werden entsprechend ihrer Tarifverträge vergütet. Laut des Grundtarifvertrags der Tarifgemeinschaft der Deutschen Rentenversicherung (TGDRV) verdienen Berufsanfänger ein Einstiegsgehalt von knapp 4.700 Euro brutto. Als Facharzt mit mehrjähriger Berufserfahrung steigt das Gehalt auf bis zu 7.600 Euro brutto. Es sind 39 Arbeitsstunden pro Woche plus vergütete Überstunden festgelegt. Allerdings besteht die Möglichkeit auf flexible Arbeitszeitmodelle, wie Teilzeit- oder Gleitzeit, auszuweichen.

In privaten Praxen und Reha-Zentren ist das Gehalt individuell verhandelbar. Im Gegensatz zum starren Modell in der Klinik, das vom Assistenzarzt bis zum Chefarzt reicht, gibt es in der Sozialmedizin flache Hierarchien. Ein Aufstieg zum Teamleiter oder Geschäftsbereichsleiter ist möglich. In den meisten Tarifverträgen ist ein Aufstieg in der Hierarchie allerdings kein Anlass für eine Gehaltssteigerung. Hier zählt nur die gesamte Berufserfahrung in Jahren.

10.07.2019

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