Mit Eramus nach Spanien

Mit Eramus in Spanien ein Teil des Medizinstudiums absolvieren

Mit Eramus für´s Medizinstudium nach Spanien

Erasmus an der UCO in Córdoba, Andalusien, Spanien Humanmedizin im 4. Klinischen Semester SS 13: Februar-Juli 2013

Vorbereitung:

Im Mai 2012 kam eine Mitteilung der Universität, dass noch Plätze zu vergeben seien. Ich hatte aufgrund persönlicher Umstände bereits angefangen, spanisch zu lernen, daher fiel meine Wahl direkt auf Spanien. Ich musste mich daher lediglich für Teneriffa oder Córdoba entscheiden. Da Teneriffa fernab Europas lag und ich mir das Leben auf einer kleinen Insel eher einseitig vorgestellt habe, wählte ich die Universidad de Córdoba (UCO).

Nachdem ich die Bewerbungsunterlagen eingereicht hatte, wurde ich im Juni 2012 nominiert. Dann nahm ich direkt Kontakt mit der UCO per email auf, die ersten Reaktionen erreichten mich jedoch erst Ende August und die inoffizielle Bestätigung im Oktober 2012. Ich erhielt eMails der Erasmus-Tutoren der medizinischen Fakultät.

Eine offizielle Mail mit PDF-Dokument oder ähnliches als Bestätigung fehlte jedoch. Der träge Mailwechsel ging bis Januar 2013 weiter, ohne dass ich ein offizielles Schreiben oder eine Wohnung hatte. Anfang Februar ging es dann nach Córdoba.

Ankunft:

Mit dem Learning Agreement, dem Data-Sheet und weiteren hilfreichen Unterlagen, wie z.B. Grammatik und Wörterbuch, dem Herold, Stethoskop (war unnötig), etc. ging es dann mit Ryanair günstig nach Sevilla. Von Sevilla Aeropuerto zur Estacion de Autobus/RENFE und von dort dann für 12€ in 1,5h mit dem Zug (MD oder Avant) nach Córdoba.

Für die erste Woche hatte ich mir ein Hostel genommen, welches ich in Deutschland bereits gebucht hatte. Im Hostel habe ich im Internet nach spanischen Wohnungen gesucht. Unter google einfach: Alquila piso habitacion córdoba eingeben. www.pisocompartido.com ist eine gute Seite. Es lassen sich aber unendliche Wohnungsangebote an den Straßenlaternen in der Nähe der Uni finden. Diese Art der Wohnungssuche ist sehr zu empfehlen, auch wenn man sich unwohl fühlt, am Anfang ohne Wohnung in Córdoba anzukommen. Mit einem vorher gebuchten Hostel hat man jedoch Zeit für die Suche.

Es empfiehlt sich ein Prepaidhandy zu holen. Ich war mit Yoigo super zufrieden, z.B. kostet es nur ca. 1€ um 30 Minuten aufs deutsche Festnetz mit einem spanischen Handy anzurufen. Zudem ist man lokal günstig erreichbar.

Der südliche Teil der Stadt Córdoba teilt sich wesentlich in 2 Hälften. Im Osten befindet sich die Juderia mit dem Zentrum „Plaza de las Tendillas“. Dort gibt es in der Nähe die Mezquita, weiße kleine Gassen, Blumen, die Kneipen Longrock, Gongora etc. Die Mieten sind etwas höher und die Wohnungen sind auch weiter weg zur UCO. Im Westen liegt die Ciudad Jardin, ein Viertel mit vielen Hochhäusern, weniger touristisch, dafür mit vielen Spaniern/Studenten, die auf der Avenida de Aeropuerto in Tapasbars sitzen und dort den Abend ausklingen lassen.Bei 1,70€ für eine Caña (kleines Bier, ca 0,15l) mit einer Tapa inklusive sind die Preise auch studentenfreundlich.

Online hatte ich dann auch direkt eine Zusage bekommen und konnte in der Nähe der Ciudad Jardin, 5 min zu Fuß zur Universität und Krankenhaus der Reina Sofia und 15 min zu Fuß zur Innenstadt eine Wohnung finden. Ihr solltet nie mehr als 250€ für eine Wohnung in Córdoba zahlen. Für Medizinstudenten ist die Ciudad Jardin die beste Lage. Hier gibt es zahlreiche Tapasbars und das Banagher, ein Irishpub mit Erasmuspartys. Ich habe in einer WG mit zwei Spaniern (Nicht-Erasmus, arbeitende Spanier) gewohnt. In dem Haus wohnten nur spanische Familien und war daher nicht Erasmus-typisch. Zum Kennenlernen des Lebens und der Kultur Andalusiens hilft das ungemein.

Universität:

Direkt nach meiner Ankunft in Córdoba bin ich am nächsten Tag zur Facultad de Medicina gelaufen. Wie auch schon in anderen Erfahrungsberichten beschrieben sind die Spanier sehr langsam und gemächlich in ihrer Art, was manchmal durch den Ordnungswunsch der Deutschen zu Geduldsmomenten führte. So sollte der Koordinator meine Unterlagen schon zusammen haben, aber leider war dies nicht der Fall.

Eine studentische Hilfskraft hat mir daher erstmal die Uni gezeigt und Dinge erklärt. Ich musste noch Passfotos etc abgeben und einige Unterschriften machen und dann hatte ich auch direkt meine vorläufige „Tarjeta estudiante“, die aus Papier bestand. Eine Akte wurde angelegt, mir wurde die „Contrasena“ des Internets gegeben und die Liste meiner „Asignaturas“, also meiner Kurse.

Die Organisation des Stundenplans macht man selbst. Das Studium teilt sich in 6 „cursos“, wobei Cursos nicht Kurs/Fach sondern Studiumsjahr heißt, ist also dem deutschen System recht ähnlich. Die Kurse sind unterschiedlich organisiert: Pädiatrie fand beispielsweise einen Monat täglich von 8 bis 13 Uhr statt. Es fand morgens von 8 bis 9 Uhr ein Vortrag eines Arztes und anschließend eine kurze Besprechung der Kliniker statt.

Die Lehrsäle befinden sich im Keller des Krankenhauses gegenüber der Facultad de Medicina (ein hilfreicher Tip!), Im Praktikum der Gynäkologie, welches ebenfalls ein Monat von 8 bis 13 Uhr stattfand, muss man zunächst von 8 bis 9 Uhr zur Facultad de Medicina in einem Raum auf dem Campus an einem interaktiven Seminar mit ca. 15 Studenten teilnehmen.

Da die Professoren teilweise einen starken andalusischen Akzent haben, waren die Fragen oft nicht zu verstehen. Danach rotiert man täglich im Krankenhaus und sieht Geburten, OP´s, Fruchtwasserentnahmen, Echographie etc. Man lernt die allgemeinen gynäkologischen Untersuchungstechniken kennen und anwenden.

Zur Vorbereitung auf die Klausuren konnte man sich die Apuntes der Copisteria „Seneca“ holen, also ca. 100-seitige Skripte des Copyshops, der die Altklausuren und alle Skripte der Kurse für Mediziner vorrätig hat. Da ich die ersten 3 Monate nahezu Vollzeit beschäftigt war (min. 30 SWS), excl. Lernen, hatte ich nachher Zeit, die spanischen Feste in Córdoba im Mai/Juni zu genießen.

Freizeit:

In Facebook einfach nach ESN Cordoba oder Erasmus Cordoba suchen und den Gruppen beitreten. Es gibt zahlreiche Ausgehmöglichkeiten, die Musik in Discos ist hauptsächlich Reggaeton und Dance-Charts. Córdoba selber hat mit der Mezquita, Alcázar de los Reyes, Juderia, Madīnat azahrāʾ etc schöne Gegenden zum Erkunden. Die Tapas und der Flamenco geben einen typisch spanischen Flair. Die Semana Santa und die Ferias im Frühjahr/Sommer sind sehr beeindruckend. Zudem kann man die umstrittenen Stierkämpfe in Cordoba sehen. Zusammen mit Salmorejo, Rabo de Toros, Jamón Ibérico, Flamenquín, Tortilla de patatas hat Córdoba auch klassische andalusische Küche zu bieten. Da Córdoba relativ zentral in Andalusien liegt, kann man einfach per Socibus, Alsa oder Renfe andere Ziele erreichen, wie z.B. Madrid (nur 15€ mit Socibus), Granada, Malaga, Gibraltar, Sevilla.

Fazit:

Die mangelhafte Organisation in Córdoba war manchmal sehr anstrengend. Angefangen bei der Planung der Kurse, der komplizierten undurchsichtigen Homepage der UCO (selbst für Spanier!), über den Ablauf der Erstellung eines Bankkontos bei der CajaSur (dringendste Abratung meinerseits), bis zu den Zuständen in den Krankenhäusern. Grundsätzlich war ich aber überwältigt von der Freundlichkeit und Kontaktfreudigkeit der Andalusier. Ob der Spanier auf der Straße, die Koordinatoren des International Office, die Ärzte etc., alle hatten sich Mühe gegeben mir Sachen zu zeigen, zu erklären, haben mich sogar begleitet, wenn ich mich mal wieder in der verworrenen Juderia verlaufen habe, etc.

Da der Akzent teilweise zu stark war, um ausreichend die Kursinhalte zu verstehen, habe ich nach den Kursen mit den Professoren geredet und um hilfreiche Links, Textangaben etc. gebeten, woraufhin mir oft die Powerpoint angeboten wurde, Links zum Nachlesen gegeben wurde oder einfach der Inhalt nochmal durchgesprochen wurde. Die spanische Kultur, das heiße Wetter im Mai/Juni, die Küche, die Siesta, der Flamenco, die Ferias kennenzulernen war eine tolle Erfahrung.

 

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