Bürgerversicherung

Die Bürgerversicherung – Utopie oder Zukunftsmodell?

Zuletzt wagte es die SPD, eine allgemeine Bürgerversicherung zum wichtigen Thema im Wahlkampf zu machen. Doch insgesamt gelang es den Verantwortlichen nicht, die Wählerinnen und Wähler mit diesem Wahlprogramm zu überzeugen. Entsprechend schnell war die Forderung bei den Koalitionsgesprächen wieder in der Schublade verschwunden. Doch handelt es sich tatsächlich um ein Modell der Zukunft und welcher Nutzen wird den einzelnen Patienten dabei zuteil werden?

Nach wie vor wird in Deutschland stark über das Nebeneinander der Versicherungen und Kassen diskutiert. Dabei kommt es immer wieder zu spaltenden Differenzen, die für genügend Gesprächsstoff sorgen. Doch um zu verstehen, warum sich das Modell der Bürgerversicherung keineswegs so leicht in die Tat umsetzen lässt, ist es zunächst notwendig, auf die aktuelle Ausgangslage in Deutschland zu blicken.

Aktuell befinden sich etwa 70 Millionen Deutsche in der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese ist für jeden zugänglich und wurde in der Vergangenheit oft als wichtige Errungenschaft des Sozialstaats gerühmt. Die zu zahlenden Beiträge richten sich dabei stark nach dem Einkommen der Versicherten. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Menschen aus einkommensstarken Schichten für ein besseres Verhältnis von Preis und Leistung, das sie durch die private Krankenversicherung erhalten können. Zusätzlich sind es die umfangreicheren Leistungen im Krankheitsfall, die ihnen dabei als wesentliche Vorteile präsentiert werden.

Aktuelle Konzeptionen

Die Bürgerversicherung nach den Planungen der SPD setzte sich derweil das Ziel, dass jeder Bürger darin aufgenommen werden kann. Dabei spielt der aktuelle Arbeitsplatz genauso wenig eine Rolle, wie der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Eintritts. Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt privat versichert waren, sollte es freigestellt werden, ob sie sich für den Übertritt entscheiden. Es handelt sich demnach nicht um eine Einheitsversicherung, wie dies immer wieder medial präsentiert wurde.

Mögliche Vorteile der Bürgerversicherung

So angebracht es ist, genauer auf die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung der Bürgerversicherung zu blicken – es gibt dennoch Vorteile dieses Systems. Unter anderem zählen die folgenden Punkte zur befürwortenden Argumentation:

  • niedrigere Beitragssätze
  • geringere Lohnnebenkosten für Arbeitgeber
  • mehrheitlich verbesserte Gesundheitsleistungen
  • Bekämpfung des Ärztemangels auf dem Land

Einerseits liegen diese im Beitragssatz begründet, der folglich für jeden Bürger gleich wäre. Menschen mit schwächerem Einkommen hätten die Gelegenheit, von einer deutlich spürbaren Senkung zu profitieren. Nach Berechnungen der SPD, die im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 angestellt wurden, könnte die Belastung auf etwa 12 Prozent gesenkt werden. Menschen mit höheren Einkommen müssen dadurch jedoch eine beträchtliche absolute Summe für den Beitrag der Versicherung aufbringen. Ihre Vorbehalte lassen sich vor diesem Hintergrund sehr gut verstehen.

Doch dieser gesenkte Beitragssatz hätte nicht nur für den Versicherten selbst einen wesentlichen Vorteil. Auf der anderen Seite würden die Lohnnebenkosten auf Seiten der Arbeitgeber deutlich sinken. Es wäre dadurch wiederum attraktiver, Menschen in ein festes Beschäftigungsverhältnis zu bringen, was sich positiv auf die Konjunktur auswirken könnte.

Auf der anderen Seite bietet das Modell der Bürgerversicherung die Gelegenheit, dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. Ländliche Regionen in Deutschland sind in den Augen vieler Allgemeinmediziner unattraktiv geworden. Praxen in größeren Städten profitieren nicht nur von einer größeren Zielgruppe, sondern auch von einem höheren Anteil an Privatpatienten. Da es für dem Mediziner im bisherigen System möglich ist, mit diesen Patienten deutlich mehr Geld zu erwirken, scheint eine Niederlassung in der Stadt bis heute attraktiv. Durch die Bürgerversicherung würde es schon bald keine solche Differenz mehr geben. Durch die Angleichung beider Parteien wäre der ländliche Arbeitsraum für Hausärzte wiederum attraktiver. Profiteur dieser Entwicklung wäre die Landbevölkerung, die von nun an wieder kürzere Strecken bis zur nächsten verfügbaren Arztpraxis zurücklegen müsste.

Kritik von CDU und FDP

Vor allem CDU und FDP äußerten sich im Rahmen der Debatte kritisch zu den Vorschlägen der Sozialdemokraten. Die Union verwies in ihrer Argumentation vor allem auf den derzeitigen Status quo. Besonders im internationalen Vergleich wird ihrer Ansicht nach deutlich, dass das deutsche Gesundheitssystem über kurze Wartezeiten der Patienten, ein flächendeckendes Angebot und eine weitgehend freie Arztwahl verfüge. Dies spiegelt wiederum richtige und zielführende Entscheidungen wieder, die in den letzten Jahren von der Politik getroffen wurden.
Die FDP sah in der Einführung der Bürgerversicherung sogar die Gefahr, dass sich die Gesundheitsleistungen insgesamt drastisch verschlechtern könnten. Auch ein alternativer Lösungsvorschlag wurde von der Partei von Christian Lindner vorgebracht. Demnach wäre es richtungsweisend, die Hürden abzubauen, die viele Menschen bislang noch von der privaten Krankenversicherung trennen. Damit wäre schließlich die Chance verbunden, der Mehrheit der Bevölkerung zu einem Plus an Gesundheitsleistungen zu verhelfen.

Ein schweres Unterfangen

Blickt man in der Summe auf diese Argumente, so wird daran ein weiteres Mal deutlich, wie unwahrscheinlich die Einführung der Bürgerversicherung ist. Letztendlich handelt es sich um eine wegweisende politische Entscheidung, die das Solidarprinzip in Deutschland auf ein neues Niveau heben würde. Während einige Patienten im Land daraus einen wichtigen Nutzen ziehen könnten, gäbe es andere, die aus nachvollziehbaren Gründen eher dem Status quo anhängen. Allem Anschein nach ist es dieser Konflikt, den auch die neue Regierung nicht zu lösen vermag. Gesundheitsminister Jens Spahn wird sich aus diesem Grund zunächst anderen Problemen und Schwierigkeiten seines Terrains zuwenden. Da es sich zurecht um ein Thema handelt, das in den Medien eine große Aufmerksamkeit erfährt, werden auch diese Schritte mit großer Spannung verfolgt werden.

Durch | 25.05.2018 | Allgemein, Partner | 0 Kommentar

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