Erster Tag in PJ oder Famulatur

Der erste Tag im OP

Der erste Einsatz im OP trifft jeden Medizinstudierenden spätestens im PJ, oft jedoch schon früher im Rahmen einer Famulatur. In diesem Blog haben wir für euch die wichtigsten Informationen zusammengefasst, die euch den ersten Einsatz im OP erleichtern sollen.

Alle Informationen zur chirurgischen Famulatur findet ihr in einem anderen Artikel.

Das Einschleusen

Jeder Tag im OP beginnt mit dem Einschleusen. Lasst euch am ersten Tag von jemandem begleiten, der euch das Einschleusen zeigen und erklären kann. In der Schleuse legt ihr eure Straßenbekleidung bis auf die Unterwäsche ab. Ärmellose Unterhemden oder Tops sind erlaubt, da es in den meisten OPs recht kühl ist. Nach einer Händedesinfektion könnt ihr euch die grüne OP-Kleidung aus dem Schrank nehmen. Diese ist nach Größen sortiert: 0 ist die kleinste Größe und entspricht etwa XS, es folgen die Größen I, II, III, IV und V.

Dazu wählt ihr eine passende Kopfbedeckung aus: Die OP-Haube muss alle Kopfhaare vollständig bedecken, lange Haare müssen darunter zusammengebunden werden. Männer mit Bart wählen die sogenannte Astronautenhaube, deren Bänder vorne um den Hals gekreuzt und wieder in den Nacken geführt werden.

Für den OP-Bereich steht spezielles Schuhwerk bereit. Namentlich beschriftete Schuhe lasst ihr lieber stehen, und schaut euch nach Gästeschuhen in eurer Größe um. Zum Schluss noch ein Mundschutz und eine Händedesinfektion, dann könnt ihr die Schleuse verlassen und den OP-Bereich betreten.

Das Einwaschen

Wenn ihr im OP assistieren dürft, müsst ihr die chirurgische Händedesinfektion (das sogenannte „Einwaschen“) beherrschen. Ein Lehrvideo zu diesem Thema findet ihr hier LINK.

einem anderen Artikel

Vor den Waschbecken hängt häufig ein Plakat, welches die einzelnen Schritte noch einmal genau erläutert. Am beste ihr lasst euch das Prozedere am ersten Tag von einem erfahrenen Mitarbeiter aus dem OP erklären und zeigen. Zu Beginn des Tages erfolgt das einmalige, gründliche Waschen der Hände mit Wasser und Seife, von den Fingerspitzen bis zum Ellbogen. Zur Schonung der Haut soll danach nur noch bei sichtbarer Verschmutzung der Hände und nach dem Toilettengang mit Wasser und Seife gewaschen werden, ansonsten wird nur noch Desinfektionsmittel verwendet.

Das Schrubben der Hände und Fingernägel mit Bürsten ist heutzutage obsolet. Nageltoilette soll zu Hause mit zeitlichem Abstand zum Einsatz im OP erfolgen, die Nägel sollen kurz, rundgefeilt und sauber sein.

Das eigentliche Einwaschen erfolgt mit Desinfektionsmittel, das in mehreren Portionen von 3-5 ml gründlich auf die trockenen Hände und Unterarme von Fingerspitzen bis Ellbogen aufgetragen wird. Dabei arbeitet man sich anfangs bis zu den Ellbogen vor, und beschränkt sich gegen Ende der Waschung auf Hände und Finger. Insgesamt sollen Hände und Unterarme über einen Zeitraum von 1,5-3 Minuten ständig mit Desinfektionsmittel benetzt sein. Bevor sterile Handschuhe angezogen werden, muss das Desinfektionsmittel auf der Haut vollständig getrocknet sein.

Verhalten im OP

Hier tritt jeder einmal ins Fettnäpfchen – das nur vorneweg. Wenn ihr Zuschauer im OP seid, achtet drauf, niemandem im Weg zu stehen, besonders nicht den steril eingekleideten Akteuren. Haltet ausreichend Abstand zu sterilen Tischen, Tüchern, Geräten und Personen, und geht niemals rückwärts, ohne zu wissen, was hinter euch steht. Wenn ihr selbst steril seid, müssen die Arme stets oberhalb des Bauchnabel-Niveaus gehalten werden.

Wenn eure Hände gerade nichts zu tun haben, legt sie auf dem sterilen Tuch ab – niemals die Arme verschränken! Wenn euch Haken zum Halten gegeben werden, müsst ihr diese so ruhig wie möglich halten. Teilt es sofort eurem Operateur mit wenn der Haken verrutscht, und versucht nicht, ihn selbst wieder nachzusetzen.

Im OP herrscht oft ein sehr direkter Umgangston. Kritik sollte man hier nicht persönlich nehmen, sondern versuchen, sie konstruktiv umzusetzen.

Blutdruck und Blutzucker

Die Arbeit im OP ist geistig und körperlich anspruchsvoll. Esst morgens ein ausgewogenes Frühstück, um gut gestärkt durch den Tag zu kommen. Ein paar Müsliriegel für die schnelle Kalorienzufuhr zwischen den OPs sind empfehlenswert. Trinkt ausreichend, bedenkt aber dass OPs durchaus mehrere Stunden dauern können, und es sicher keine Toilettenpausen geben wird.

Wer ohnehin einen niedrigen Blutdruck hat oder zu Schwindel neigt, kann Kompressionsstrümpfe unter der OP-Kleidung tragen. Diese verhindern, dass bei langem Stehen das Blut in den Beinen versackt. Oft hilft es auch, bei langem Stehen gelegentlich die Zehen zu bewegen oder die Wadenmuskulatur anzuspannen – so wird die Venenpumpe aktiviert und der Kreislauf unterstützt.

Sollte euch während einer Assistenz im OP schlecht oder schwindelig werden, ist das keine Schande. Sagt unbedingt sofort dem Operateur Bescheid, dass ihr euch nicht wohlfühlt. Gebt dann das Instrument ab, tretet vom Tisch ab und setzt euch hin – notfalls auch auf den Boden. Nach einer kleinen Pause, einem Schluck Wasser und einer Stärkung bessert sich das Unwohlsein schnell wieder.

Alles klar? Wir wünschen euch viel Erfolg und Freude für den ersten Einsatz im OP!

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