Borreliose - Symptome, Diagnose, Behandlung und Spätfolgen
Borreliose Symptome

Borreliose – Symptome, Diagnose, Behandlung und Spätfolgen

In Deutschland erkranken nach Schätzungen jährlich ca. 100.000 bis 200.000 Menschen an Borreliose. Es handelt sich um die häufigste Infektionskrankheit in Europa, die durch den Biss einer Zecke übertragen wird. Besonders die Mittelgebirge sind davon überdurchschnittlich betroffen. Die „Hauptsaison“ der Zecke ist von März bis Oktober, so dass in diesem Zeitraum gehäuft Borreliose-Fälle auftreten. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Die wichtigsten Fragen zur Ursache, der Erkennung und Behandlung der Borreliose werden in der folgenden Übersicht behandelt.

Borreliose – Definition und Beschreibung

Der Begriff Borreliose umfasst im weitesten Sinn alle Infektionskrankheiten, die durch Bakterien vom Typ Borrelia (auch Borrelien genannt) ausgelöst werden. Seine Namensherkunft verdankt die Bezeichnung Borreliose dem französischen Bakteriologen Amédée Borrel (1867 – 1936). Die Identifizierung der krankheitsauslösenden Bakterienstämme gelang erst 1982 dem aus der Schweiz stammenden und in den USA arbeitenden Parasitologen Willy Burgdorfer.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Borreliose beim Menschen: Die Lyme-Borreliose und das Rückfallfieber. In Mitteleuropa ist das Auftreten auf die Lyme-Borreliose beschränkt. Das Rückfallfieber ist eine spezielle Form, die ausnahmslos auf eingeschleppte Infektionen im Sinne einer typischen Reisekrankheit zurückzuführen ist. Aus diesem Grund wird die Lyme-Borreliose in dieser Übersicht vereinfacht Borreliose genannt.

Die Auswirkungen der Krankheit sind sehr komplex und können den gesamten Organismus in Mitleidenschaft ziehen. Sie betrifft Organe, die Haut, die Gelenke und auch das Nervensystem. Unbehandelt kann die Borreliose zu bleibenden körperlichen Schäden und auch zum Tode führen. Die Erkrankung ist als sehr heimtückisch zu betrachten, da sie untypische Symptome zeigt, die auch anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden können.

Ursachen und Übertragung der Borreliose

Die Ursache der Borreliose ist eine Infektion mit bakteriellen Erregern vom Stamm der Borrelia burgendorferi. Dabei handelt es sich um spiralartig geformte Bakterien. An ihrem Ende befinden sich sogenannte Flagellen. Das sind haarähnliche Gebilde, die einem Propeller gleich die Fortbewegung ermöglichen. Die Erreger werden hauptsächlich im Blut von Vögeln und kleinen Nagetieren nachgewiesen.

Durch das Saugen von Blut dieser Tiere infizieren sich Zecken und werden so zum Überträger der Borreliose. Bei einem Zeckenbiss wandern die Bakterien in die Speicheldrüse. Auf diese Weise gelangen bei einer erneuten Mahlzeit dieser „Vampire“ die Borrelien in die Blutbahn von Mensch und Tier.

Borreliose – Symptome und Krankheitsverlauf

Die Symptome bei Borreliose treten unspezifisch auf und können andere Erkrankungen vortäuschen. Die Intensität ist von Mensch zu Mensch verschieden. Besonders bei Kindern, älteren Personen und bei Menschen mit einem angegriffenen Immunsystem treten die Symptome verstärkt auf. Auf der anderen Seite kann die Infektion auch ohne Symptome verlaufen.

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die in ihrer Gesamtheit auf die Lyme-Borreliose hindeuten. Doch auch wenn mehrere dieser Anzeichen vorhanden sind, bedeutet dies noch nicht, dass der Patient tatsächlich an dieser Infektionskrankheit leidet. Eine Ausnahme bildet das Auftreten der sogenannten Wanderröte.

Der Krankheitsverlauf wird in drei Stadien unterteilt, die jeweils unterschiedliche Symptome aufweisen. Auch deren Schwere und Intensität unterscheiden sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung.

Borreliose Symptome Stadium I

  • Auffälligkeiten im Hautbild (Entzündliche Prozesse, Rötungen)
  • Schwellung der Lymphknoten
  • Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Geschwollene Gelenke Grippeähnliche Symptome mit Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
  • Fieber
  • Vermindertes Hörvermögen
  • Wesensänderungen, plötzliche Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwäche und nachlassendes Erinnerungsvermögen
  • Bindehautentzündung

Ein weiteres, in diesem Fall recht sicheres Symptom, stellt die Wanderröte dar. Der Ort ihres Auftretens und ihr typisches Erscheinungsbild lassen am ehesten auf eine Borreliose-Infektion schließen. Allerdings erscheint sie nur bei ca. 50 % aller infizierten Personen.
Bei der Wanderröte ist nach einigen Tagen oder Wochen um die Bissstelle eine runde oder ringförmige, gerötete Hautstelle feststellbar. Die Größe variiert von handtellergroßem Durchmesser bis zu 65 Zentimetern. Die betroffenen Hautpartien sind scharf begrenzt. Typisch für die Wanderröte ist, dass sie im Allgemeinen weder juckt noch Schmerzen verursacht. Aufgrund ihres spezifischen Aussehens kann der Arzt mit ziemlicher Sicherheit eine Diagnose stellen.

Borreliose Symptome Stadium II

  • Lähmungen
  • Muskel- und Nervenschmerzen
  • Verstärktes Auftreten der grippeähnlichen Symptome
  • Über den gesamten Körper verteilte Rötungen der Haut
  • Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten

Das Stadium II beginnt einige Monate nach der Infektion. Die Borreliose ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass im Prinzip alle Organe und das Gewebe befallen werden. Dabei kann es bereits jetzt zu einer Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung kommen. In der Medizin ist diese Form unter der Bezeichnung Neuroborreliose bekannt. Eine weitere Komplikation stellt die Entzündung des Herzmuskels und des Herzbeutels dar. Die Folge ist das Auftreten von Herzrhythmusstörungen.

Borreliose Symptome Stadium III

Das Stadium III tritt je nach Schwere der Erkrankung Monate bis mehrere Jahre nach der Infektion ein. Die anfangs vorhandenen Symptome können immer noch bestehen. Parallel hierzu haben sich aber inzwischen schwere Erkrankungen herausgebildet. Zu diesen zählt die Lyme-Arthritis. Diese Erkrankung ist eine chronische oder in Intervallen auftretende Gelenkentzündung, die in den meisten Fällen die Kniegelenke betreffen. Wird das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, kommt es zu Lähmungserscheinungen, die den gesamten Körper betreffen können. In extremen Fällen kann eine unbehandelte Borreliose in diesem Stadium auch zum Tode führen.

Borreliose – Diagnose und Test

Die Vielzahl der Symptome erschwert es dem Arzt, eine Borreliose sicher zu diagnostizieren. Hinzu kommt eine Inkubationszeit von teilweise mehreren Jahren. Der Zeckenstich von damals ist dann als Anhaltspunkt meist schon vergessen. Dennoch gibt es mehrere Verfahren und Tests, mit denen sich die Infektion nachweisen lässt

Das Auftreten von Fieber und der Wanderröte als typische Krankheitsbilder macht es dem Arzt relativ leicht, eine verlässliche Diagnose zu stellen. Aber auch akut auftretende grippeähnliche Symptome ohne tatsächliches Vorliegen eines grippalen Infektes oder unklare, scheinbar ohne Grund auftretende Beschwerden deuten auf eine Lyme-Borreliose hin. Im günstigsten Fall erinnert sich der Patient daran, von einer Zecke gebissen worden zu sein.

Es mag sich makaber anhören, aber die Zecke selbst kann zum Helfer bei der Diagnose werden. Das ist dann der Fall, wenn die nach einem Zeckenbiss entfernte Zecke zu einem Arzt gebracht wird. Eine Untersuchung in speziellen Labors gibt Aufschluss darüber, ob die Zecke den Borrelia-Erreger in sich trägt. Ein positives Ergebnis bedeutet nicht, dass man sich tatsächlich infiziert hat. Bei späteren Beschwerden, die auch noch nach Jahren auftreten können, ist dieser Test jedoch ein wichtiges Indiz.

Bluttest zum Antikörpernachweis

Hierbei wird dem Patienten eine geringe Menge an Blut durch eine Blutabnahme entnommen, um dieses auf das Vorhandensein von Antikörpern zu untersuchen. Es gibt dazu eine Reihe von Suchtests (ELISA-Test). Sich anschließende Bestätigungstests garantieren, dass es zu keinen falsch-positiven Resultaten kommt. Das Vorhandensein von Antikörpern allein ist jedoch kein Hinweis, dass der Betroffene an Borreliose erkrankt ist. Ohne Beschwerden ist keine Behandlung nötig. Die bisher angewandten Verfahren können überdies noch nicht mit Sicherheit eine bestehende von einer bereits durchgemachten Erkrankung unterscheiden.

Nachweis der Antikörper im Nervenwasser

Ein weiterer Test ist die Untersuchung der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, umgangssprachlich Nervenwasser genannt. Dieses Verfahren kommt nur zur Anwendung, wenn der Verdacht auf eine Neuro-Borreliose besteht. Studien haben jedoch gezeigt, dass dieser Test auch falsch-negative Ergebnisse zeigt. Das bedeutet, dass eine Borreliose auch dann bestehen kann, wenn keine Antikörper nachgewiesen werden.

LTT- Der Lymphozyten-Transformationstest

Hier wird das Blut des Patienten mit den Antigenen der Borrelien versetzt. Eine Vermehrung der Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) soll nach diesem Test eine Infektion nachweisen. Der Test, obwohl häufig durchgeführt, ist bei Medizinern umstritten, da er als unzuverlässig gilt mit häufigen falsch-positiven Ergebnissen.

Somit gibt es bislang kein labortechnisches Verfahren, dass eine aktuell bestehende Borreliose mit Sicherheit bestätigen oder ausschließen kann.

Borreliose Behandlung und Therapie

Bei einer frühzeitigen Diagnose mit anschließender Therapie bestehen die größten Aussichten auf eine vollständige Heilung. Hierbei unterzieht sich der Patient einer mehrwöchigen Behandlung mit Antibiotika. Als Wirkstoffe werden vorrangig Cefuroxim, Amoxicillin und Doxycyclin eingesetzt. Die Behandlungsdauer ist unbedingt einzuhalten, auch wenn subjektiv eine Besserung des Befindens wahrgenommen wird. Neben der Gabe von Antibiotika sollte auch das Immunsystem in die Behandlung einbezogen werden. In den späteren Stadien nimmt die Erfolgsaussicht auf eine Heilung drastisch ab. Hier kann es immer wieder zu Rückfällen kommen.

Insgesamt lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Borreliose wirklich vollständig heilbar ist. Auf der anderen Seite können Patienten die Antikörper ein Leben lang in sich tragen, ohne dass es je wieder zum Ausbruch der Krankheit kommt.

Es gibt übrigens bisher keine zugelassene vorbeugende Schutzimpfung gegen Borreliose. Die bekannte „Zeckenschutzimpfung“, wie sie für bestimmte Risikogebiete empfohlen wird, schützt „nur“ vor FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die ebenfalls von Zecken übertragen wird.

Borreliose Spätfolgen

Das heimtückische an der Krankheit sind die Borreliose Spätfolgen: Sie kann auch acht bis zehn Jahre nach dem Zeckenstich zum Ausbruch kommen.

Typische Spätfolgen einer Borreliose sind folgende:

  • Entzündungen des Nervensystems (Hirnhautentzündung und Bannwarth-Syndrom
  • Arthritis
  • Hautentzündungen über den Gelenken (Akrodermatitis)
  • Taubheitsgefühl in den Füßen
  • Steifheit im Nackenbereich
  • Hängende Mundwinkel

Bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn bestehen auch bei einer spät ausbrechenden Erkrankung gute Aussichten auf Heilung. Unbehandelt führt die Borreliose jedoch zu den beschriebenen Symptomen des Stadiums III und richtet im Körper irreparable Schäden an. Diese führen zu dauerhaften Beschwerden mit einer stark herabgesetzten Lebensqualität, unter ungünstigen Umständen auch mit Todesfolge.

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Durch | 16.03.2018 | Allgemein | 0 Kommentar

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