Rauchfrei Leben

Rauchfrei leben – Schritte zur Suchtbekämpfung

Rauchen steht in Gestalt der Nikotinsucht für eine der weltweit größten Suchtkrankheiten. Jährlich erkranken zahlreiche Menschen an den teils schwerwiegenden Folgen des Tabakkonsums. Nicht wenige scheitern bei dem Versuch aufzuhören an den Entzugserscheinungen. Allerdings gibt es einige Methoden, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Zudem gibt es eine Studie, die Mut macht.

Wie es zur Nikotinsucht und Tabakabhängigkeit kommt

Ungefähr 29 Prozent der Erwachsenen hierzulande rauchen. Dies entspricht etwa 20 Millionen Menschen. Von den Jugendlichen raucht knapp jeder Zehnte. Im Durchschnitt konsumieren Raucher gut 14 Zigaretten am Tag. Viele von ihnen setzen es sich zum Ziel, die Zigarette in die Schranken zu weisen und mit dem Rauchen aufzuhören. Das fällt jedoch nicht wenigen ganz besonders schwer. Schuld daran ist die Nikotinsucht. Bei Nikotin handelt es sich um einen Stoff, der äußerst schnell abhängig macht, da es nachweislich das Gehirn beeinflusst. Das Suchtpotential ist dabei ähnlich hoch wie bei Morphin oder Kokain. Die Substanz erhöht die Ausschüttung von Dopamin, dem sogenannten Glückshormon, wodurch im Gehirn das Gleichgewicht des Belohnungssystems nachhaltig gestört wird. Je länger und mehr Tabak konsumiert wird, desto mehr Nikotinrezeptoren werden ausgebildet. Diese werden jedoch zunehmend unempfindlicher, weshalb sich laufend zusätzliche Rezeptoren bilden. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der immer schwerer zu durchbrechen ist. Denn baut der Körper Nikotin ab, bekommt er erneut das Verlangen nach der Substanz. Neben Nikotin stecken viele weitere Schwermetalle und Chemikalien im Tabakrauch, zum Beispiel Chrom, Natrium, Blei, Aluminium, Kadmium, Kohlenmonoxid, Vinylchlorid, Hydrazin, Formaldehyd, Benzol und Cyanwasserstoff. Von den rund 5.000 Substanzen gelten ca. 90 Prozent nachweislich als krebserregend.

Folgen und Krankheiten der Nikotinabhängigkeit

Während Nikotin in erster Linie für Sucht und Wirkung verantwortlich ist, schaden die vielen weiteren Substanzen im Tabakrauch der Gesundheit. Rauchen geht mit zahlreichen Erkrankungen einher und erhöht ferner das Risiko für Typ 2 Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufkrankheiten sowie verschiedene Krebsarten, vor allem Lungenkrebs. Für die Entwicklung chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen gilt der Konsum von Tabak als die wesentlichste Ursache. Darüber hinaus schädigt der Qualm den Zahnhalteapparat sowie die Augen und hat negative Auswirkungen auf die Geschlechtsorgane, die Fruchtbarkeit, das Skelett und den Verdauungstrakt. Nicht zuletzt wird durch das Rauchen auch das Gehirn negativ beeinträchtigt. Im Vergleich zu Nichtrauchern reduziert sich nämlich bei zahlreichen Rauchern mit zunehmendem Alter die geistige Leistungsfähigkeit. Insgesamt sinkt die Lebenserwartung durch den Konsum von Nikotin durchschnittlich um 10 Jahre. Es sind überdies auch die Symptome, an denen sich die Nikotinabhängigkeit bemerkbar macht. Für die Diagnose der Nikotinsucht müssen entsprechend der Klassifikation psychischer Störungen im ICD-10 mindestens drei der nachfolgenden Kriterien über eine Zeitraum von einem Monat oder wiederholt binnen eines Jahres auftreten:

– Starker Drang zum Tabakkonsum
– Kontrollverlust über Beginn, Ende sowie Menge des Konsums
– Auftreten körperlicher Entzugserscheinungen bei reduziertem Konsum
– Vernachlässigung oder Aufgabe anderer Aktivitäten wegen des Substanzgebrauchs
– Anhaltender Konsum trotz Wissens über Folgeschäden und Risiken

Entzug und Abhängigkeit – Psychisches oder Physisches Problem?

Die Abhängigkeit sowie ein erfolgloser Entzug sind in erster Linie psychisch bedingt. Oft fällt das Ausmaß der Nebenerscheinungen der Rauchentwöhnung derart stark aus, dass den Betroffenen der erneute Griff zur Zigarette ausweglos erscheint. Zu den Nebenwirkungen des Raucherstopps gehören unter anderem Stimmungsschwankungen, Aggressivität, depressive Verstimmungen, sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Gelingt jedoch der Entzug, bedankt sich der Körper auf folgende Weise:

– Der Blutdruck fällt schon nach 20 Minuten, während der Kohlenmonoxidgehalt nach etwa acht Stunden Normalniveau erreicht;
– Nach 8 bis 12 Wochen nimmt die Lungenkapazität zu und die Durchblutung verbessert sich;
– Wenige Monate später reduzieren sich die Hustenanfälle beträchtlich;
– Ein Jahr nach dem Entzug ist das Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefäße nur halb so hoch wie bei Rauchern;
– 5 bis 15 Jahre später reduziert sich das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, auf ungefähr die Hälfte, während die Gefahr eines Schlaganfalls auf das Niveau eines Nichtrauchers fällt;
– 15 Jahre nach dem letzten Zug sind sämtliche Risiken nicht höher als die eines Nichtrauchers.

Vorgehensweise beim Aufhören, Tipps, Verhaltensweisen, Methoden

Wem es gelingt, eines Tages mit dem Rauchen abzuschließen, genießt zumeist die Bewunderung seiner Mitmenschen und ist selbst voller Stolz. Viele Betroffene halten jedoch leider die Abstinenz nicht durch und werden schnell rückfällig. Grundsätzlich gibt es folgende zwei Vorgehensweisen, um mit dem Rauchen aufzuhören:

– Reduktionsmethode: Raucher rauchen stufenweise immer weniger, bevor sie vollständig damit aufhören.

– Schlusspunktmethode: Betroffene legen unverzüglich und ohne „Wenn und Aber“ die Zigaretten weg.

In der Suchtmedizin setzt sich zusehends die Auffassung durch, dass es bereits ein Erfolg ist, wenn Betroffene ihren Tabakkonsum reduzieren. So könne es eventuell auch etwas leichter fallen, eines Tages das Rauchen ganz abzustellen. Diese Auffassung stand im Mittelpunkt einer Studie des Psychiaters Dr. Jon Ebbert von der Mayo Klinik in Rochester, an der insgesamt 1510 Raucher teilnahmen. Ungefähr die Hälfte bekam ein halbes Jahr lang Vareniclin, während die andere Hälfte Placebos zu sich nahm. Der Erfolg der Intervention wurde ein weiteres halbes Jahr beobachtet. Gemäß Behandlungsplan drosselten die Raucher ihren Tabakkonsum im ersten Monat um 50 Prozent und bis zum Ende des zweiten Monats um 2/3. Schließlich stellten sie das Rauchen am Ende des dritten Monats vollständig ein.

Mehr Hinweise und Tipps zum Aufhören gibt es unter: Mit Rauchen aufhören – die 10 effektivsten Wege.

Ergebnisse der Studie:

– Knapp ein Drittel (32 Prozent) der Probanden mit Vareniclin gelang der Entzug nach drei Monaten. Zudem blieben sie weitere 3 Monate abstinent.

– Aus der Placebogruppe gelang dies lediglich 7 Prozent der Teilnehmer.

– In den Wochen 21 bis 24 und damit zum Ende der Entzugstherapie hin waren die Abstinenzraten in der Vareniclingruppe mit knapp 38 Prozent am höchsten. Mit Placebo lagen diese lediglich bei 13 Prozent.

– Nach dem Behandlungsende blieben von den Vareniclin-Probanden noch 27 Prozent das ganze folgende Halbjahr abstinent. 10 Prozent waren es hingegen in der Gruppe mit Placebo-Einnahme.

– Gegenüber einer Placebo-Therapie fallen somit die Abstinenzraten bei einer Entwöhnung mittels partieller Nikotinrezeptor-Agonisten drei- bis viermal höher aus.

– Das Ziel, den Nikotinverbrauch im Laufe eines Monats um mindestens 50 Prozent zu senken, gelang 31 Prozent der Teilnehmer mit Placebo, sogar 47 Prozent derjenigen mit Vareniclin.

– Acht Wochen später gelang es aus der Gruppe mit dem Entwöhnungsmittel gut ein Viertel (26 Prozent) den Nikotinkonsum um 75 Prozent einzuschränken, nur 15 Prozent schafften dies mit Placebo

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Entzug

Aufhörwillige sollten sich zunächst verdeutlichen, dass keine absolute Erfolgsgarantie existiert. Ob die Schlusspunkt- oder Reduktionsmethode besser ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die oben dargestellte Studie geht zumindest davon aus, dass die zweite Methode erfolgsversprechender ist. Dies ist jedoch kein Patentrezept. Wichtig ist, dass der Entschluss, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, dem eigenen Willen entspringt. Einige Tricks und Hilfsmittel können auf dem Weg zur völligen Abstinenz sehr hilfreich sein. Für viele ist es eine Hilfe, wenn sie beispielsweise einen „Ersatz“ für das Rauchen finden, etwa Süßigkeiten essen, Kaugummi kauen oder neuen Hobbys nachgehen. Ersatzweise können in der Not auch Nikotinkaugummis, Nikotinpflaster sowie weitere Nikotinprodukte zum Einsatz kommen. Hierüber wird nur eine geringe Menge Nikotin zugeführt, wodurch die Entzugserscheinungen abgemildert werden sollen. Eine große Auswahl solcher Hilfsmittel sind in der shop-apotheke.com zu finden.

Wichtig: Bereits der Zug einer Zigarette kann die Nikotinsucht wieder hervorrufen. Dies gilt es, sich bewusst zu machen.

 

18.01.2019

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