Facharzt Öffentliches Gesundheitswesen

Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen

Nur wenige Medizinstudenten entscheiden sich nach dem Studium gegen eine Karriere im Krankenhaus. Dabei gibt es viele Gründe dafür, dem Klinikalltag den Rücken zuzukehren. Bereitschaftsdienste, nicht vergütete Überstunden und das starre Hierarchie-System belasten Assistenzärzte. Wer sich nach einer Alternative umsieht, sollte den Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen in Erwägung ziehen.

Was sind die Aufgaben für Ärzte im Öffentlichen Dienst?

Die ambulante und stationäre Versorgung sind für die Gesundheit des Einzelnen zuständig. Der Öffentliche Gesundheitsdienst kümmert sich dagegen um die bevölkerungsmedizinische Versorgung. Das beinhaltet vor allem Tätigkeiten in den Bereichen Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz. Die Aufgaben für Ärzte und Fachärzte sind hier vielfältig: In Aufklärungskampagnen beraten sie bezüglich eines gesunden Lebensstils und der Prävention von Infektions- oder Suchterkrankungen. Beim Sozialpsychiatrischem Dienst wird ein niedrigschwelliger Zugang zu Hilfe geboten. Bei Meldungen von Infektionserkrankungen sind sie für Umgebungsuntersuchungen und Schutzmaßnahmen verantwortlich. Sie übernehmen aber auch die Schuleingangsuntersuchungen von Kindern und die ärztlichen Untersuchungen in Erstaufnahmeeinrichtungen von Flüchtlingen. In beratender Tätigkeit können sie außerdem in der Politikberatung tätig sein oder beim Gesundheitsamt als Ansprechpartner für Fragen zu Hygiene und Infektionsschutz arbeiten.

Wie werde ich Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen?

Bislang gibt es an keiner Universität in Deutschland eine Fakultät für Öffentliches Gesundheitswesen. Allerdings decken sich die Lehrinhalte in vielen Bereichen mit den Fächern Arbeitsmedizin, Hygiene, Mikrobiologie, Sozialmedizin und Umweltmedizin. Wer sich nach seinem Studium für einen Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen entscheidet, wird sowohl praktisch als auch theoretisch ausgebildet. Die Weiterbildung dauert 5 Jahre, die sich folgendermaßen aufteilt:

  • 18 Monate in einer Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitswesens (davon 9 Monate an einem Gesundheitsamt)
  • 36 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung (davon 6 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie)
  • 6 Monate (insgesamt 720 Stunden) in einem Weiterbildungskurs für Öffentliches Gesundheitswesen

Auch Ärzte mit abgeschlossener Facharztausbildung in anderen medizinischen Bereichen werden im Öffentlichen Gesundheitsdienst gesucht. Mit einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kann beim Sozialpsychiatrischen Dienst gearbeitet werden. Der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin oder Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie ist hilfreich für eine Tätigkeit im Infektionsschutz.

Eine Facharztausbildung ist in vielen Stellenausschreibungen gewünscht, aber keinesfalls notwendig. Demnach kann auch ohne abgeschlossene Facharztausbildung in vielen Bereichen des Öffentlichen Gesundheitswesen gearbeitet werden

Wie sind die Berufschancen und Arbeitsbedingungen?

Insgesamt arbeiten nur circa 1.600 Ärzte in Deutschland im Öffentlichen Gesundheitswesen. Etwa die Hälfte davon ist ärztlich tätig. Gründe dafür, sich für die Arbeit im Öffentlichen Dienst zu entscheiden, sind die abwechslungsreiche Arbeit, flexible Arbeitszeitmodelle und die niedrigen Hierarchien. Trotzdem gestaltet sich die Suche nach Nachwuchs derzeit schwierig. Denn die Gehälter im Öffentlichen Dienst liegen deutlich unten denen in der Klinik. Vor allem für Ärzte, die schon einige Jahre in der Klinik gearbeitet haben, erscheint ein Wechsel in den Öffentlichen Dienst unattraktiv. Sie würden auf das anfängliche Gehaltsniveau ihrer Facharztausbildung zurückfallen. Schon seit Februar 2010 wird wiederholt gefordert, die Ärzte im Öffentlichen Gesundheitswesen nach dem Kliniktarif und nicht nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) zu bezahlen.

Einige Städte ergreifen bei der Suche die Eigeninitiative und bieten monatliche außertarifliche Zulagen. Außerdem wird mit Teilzeit und Gleitzeit, der Genehmigung von Nebentätigkeiten und einer möglichen Verbeamtung geworben.

Quellen: BVÖGD, Bundesärztekammer

26.02.2019

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