Praxisanleitung Blutabnahme

Blutabnahme – Anleitung inklusive hilfreicher Tipps fürs Blut abnehmen

Jeder Medizinstudent muss das Blut abnehmen erlernen, darum wollen wir Euch in diesem Artikel für die Blutabnahme eine Praxisanleitung liefern. Auch wenn die Blutabnahme in der Klinik oder im Krankenhaus meist durch die Krankenschwester durchgeführt wird, gehört sie doch zu den grundlegenden ärztlichen Tätigkeiten.

Gerade in der Anfangszeit haben es viele Nachwuchsmediziner schwer mit dem Blut abnehmen, es kann schon vorkommen, dass drei Mal gestochen werden muss, was vielen oftmals peinlich ist. Aber auch erfahrende Ärzte haben manchmal Probleme bei der Blutabnahme, doch mit den richtigen Tipps können auch diese noch etwas hinzulernen. Dennoch ist die korrekte Ausführung beim Blut abnehmen vor allem eines und zwar Übungssache. Wer die Tätigkeit oft durchführt, wird sich auch schnell verbessern. Dennoch ist der Patient natürlich kein Versuchskaninchen und Fehler können peinlich sein, daher helfen wir mit dieser Praxisanleitung für die korrekte Blutabnahme.

Inhalt des Artikels:

Vorbereitung Blutentnahme – Organisiere Dein Handwerkszeug

Die richtige Vorbereitung der Blutabnahme beginnt damit, dass Du Dir vorher alle notwendigen Dinge organisierst und passend zurechtlegst. Nimm Dir ein Tablett oder eine Nierenschale und stelle Dir alles zusammen, was Du brauchst.

Hierzu gehören folgende Dinge, die Du Dir vorab bereitlegen solltest:

  • Tablett oder Nierenschale
  • Stauschlauch
  • Desinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer
  • Untersuchungshandschuhe
  • Funktionsnadel
  • Blutentnahmeröhrchen
  • Stichfester Behälter

Blutabnahme Material

(Hinweis: Das abgebildete Butterfly ist aus Arbeitssicherheitsgründen nicht mehr für das Blutabnehmen erlaubt. Das Bild dient der Veranschaulichung)

Neben der strukturierten Ablage auf dem Tablett, solltest Du Dich natürlich auch mit allem vertraut machen. Wer vorher nicht alles geprüft hat und sein Handwerkszeug nicht kennt wirkt nicht sehr professionell. Teste den Stauschlauch und prüfe den Verschluss, so dass Du ihn am Ende auch wieder aufbekommst.

Die Vorbereitung des Patienten für die Blutabnahme

Bevor Du mit dem Blut abnehmen beginnen kannst, erfolgt auch die Vorbereitung des Patienten und diese ist enorm wichtig. Stelle Dich dem Patienten kurz vor und erkläre ihm, was Du gleich mit ihm tun wirst, also wie genau die Blutabnahme Schritt für Schritt funktionieren wird. Sprich mit dem Patienten und frage Ihn, ob er alles verstanden hat oder ob er noch Fragen hat. Durch ein freundliches Vorstellen und kurzes Gespräch wird sich der Patient viel wohler in Deinen Händen fühlen und Du kannst ein Vertrauensverhältnis aufbauen, dies wird dich und den Patienten beruhigen, der Patient wird geduldiger und womöglich beschert Dir das auch Glück beim direkten Treffen der Vene.

Dass Du ruhig bist und alle Schritte langsam und bedacht angehst, ist das Wichtigste vor der Blutabnahme. Also atme tief durch und lasse Dich auch von aufgeregten oder nervösen Patienten nicht verrückt machen, insbesondere auch nicht von Aussagen des Patienten, dass er schlechte Venen habe oder dass niemand bei dem Patienten Blut bekommen würde. Bei solchen Aussagen frage den Patienten am besten, wo er denn die beste Vene hätte zum Blut abnehmen und dieser wird dir die richtige Vene zeigen. Ansonsten immer langsam und geduldig alles Schritt für Schritt durchführen. Zum Abschluss des Gesprächs bitte den Patienten sich hinzulegen, denn die Blutabnahme findet im Liegen statt und niemals im Stehen. Setze auch Du Dich wenn möglich hin, das beruhigt Dich und hilft beim Treffen der Vene.

Es ist nicht schlimm nervös zu sein, dennoch ist es beim Blut abnehmen wie bei jeder anderen Tätigkeit im Leben wichtig Selbstbewusstsein auszustrahlen. Versuch also selbstbewusst zu sein. Sag Dir innerlich, dass Du die Blutabnahme meistern wirst und alles bestmöglich ausführen wirst. Denn wenn Du schon vorher zitterst und sich diese Nervosität auf den Patienten überträgt, ist dies meist einer der Gründe, warum es dann später nicht funktioniert.

Nicht zu vergessen ist, dass sich der Patient üblicherweise auch vor der Blutabnahme an gewisse Regeln halten muss. So dürfen gegebenenfalls bestimmte Medikamente nicht eingenommen werden und der Patient muss die Blutabnahme nüchtern durchführen. Dies bedeutet, der Patient darf acht bis zwölf Stunden vorher nichts essen und lediglich Wasser trinken. Befrage den Patienten, ob er sich daran gehalten hat und prüfe wenn nötig auch die Patientenakte.

Wo kann man überall Blut entnehmen? Die richtige Stelle wählen

Nun bist Du gut gerüstet und kannst Dich auf die Suche nach der passenden Vene für die Blutentnahme machen. Prinzipiell ist jede periphere Vene für das Blut abnehmen geeignet, aber natürlich gibt es bessere und schlechte Stellen, die Du auswählen kannst.

Besonders geeignet sind folgende Stellen für die Blutentnahme:

  • Armbeuge / Ellenbeuge (am schmerzunempfindlichsten)
  • Unterarm (relativ schmerzunempfindlich)
  • Handrücken (relativ schmerzhaft)

Obwohl sehr schmerzunempfindlich für den Patienten, ist Vorsicht geboten ist an der Ellenbeuge, die den Übergang zwischen Oberarm und Unterarm bildet, da hier, da hier die Nerven und Arterien sehr nahe an der Vene liegen und man bei heftigen, untypischen Schmerzen des Patienten an dieser Stelle abbrechen muss. Wenn dies vorkommt, muss ein Druckverband angelegt werden.

Wie anfangs beschrieben, wissen auch einige Patienten vorab wo die beste Stelle für die Blutabnahme an ihrem Körper zu finden ist. Wenn die Nadel schon oft an dieser Stelle gesetzt wurde, kann dies jedoch zu einer Narbenbildung führen und wenn dies der Fall ist sucht man sich besser selbst eine geeignete Stelle.

Die passende Vene für die Blutabnahme wählen

Bevor Du die passende Vene am Arm des Patienten auswählen kannst, lege zuvor die Untersuchungshandschuhe an. Anschließend muss Du den Stauschlauch am Oberarm des Patienten anlegen. Klemme dabei die Haut des Patienten nicht ein und achte darauf, dass Du stark genug staust. Dazu kannst Du bei angezogenem Schlauch Deinen Finger darunter schieben und musst dabei einen deutlichen Wiederstand fühlen. Dann ist alles in Ordnung. Anschließend kann man mit der Suche der passenden Vene beginnen.

Nun könnten man meinen, dass die beste Vene die ist, die man direkt und am besten sieht. Jedoch sollte man tasten und diejenige wählen, die wie sich wie dünner Gummischlauch anfühlt. Fühle dazu die Vene des Patienten mit dem Zeigefinger. Lasse Dir bei diesem Vorgang Zeit, bis Du eine passende Vene gefunden hast. Wenn man nicht sofort die passende Vene findet, kannst Du systematisch und gründlich beide Arme absuchen, auch wenn Du dazu den Arm wechseln und somit den Stauschlauch neu anbringen musst.

Insbesondere sollte man nicht auf Besenreiser hereinfallen, die winzigen, erweiterten Venen, die von außen sichtbar sind und in der Haut verlaufen. Dies kann wie zuvor beschrieben dadurch verhindert werden, in dem man nur Venen auswählt die elastisch sind.

Wenn man gar keine Vene finden sollte kann man auch auf den Ellenbogen oder dem Handrücken reiben oder klopfen, wodurch in der Haut Histamin freigesetzt wird, eine Rötung entsteht und die Venen werden erweitert. Alternativ oder ergänzend dazu hilft es auch wenn der Patient eine Faust bildet und diese wiederholt öffnet und schließt (Pumpen). Last but not least kann auch der Patient im Rahmen der Vorbereitung mitwirken, dass die Venenfindung gut klappt. Durch die Vermehrte Zunahme von Wasser vor der Blutentnahme sind die Venen besser sichtbar als auch durch Wärme, welche durch eine vorige Muskelaktivität oder eine warme Dusche hervorgerufen werden kann. Da dies natürlich an dieser Stelle nicht mehr möglich ist, können beispielsweise feuchtwarme Kompressen genutzt werden, um die Venen doch noch hervorzuzaubern.

Durchführung Blutabnahme – Anleitung und Reihenfolge

Nun geht es ans Eingemachte, es ist Zeit für das Punktieren, also den Einstich für die Blutabnahme. Nachdem Du zuvor eine passende Stelle gefunden hast, merke Dir diese. Wer sich sehr unsicher fühlt, kann die Stelle auch zusätzlich mit einem Abdruck des Fingernagels markieren.

Anschließend wird die Punktionsstelle desinfiziert. Dazu das Desinfektionsspray entweder aufsprühen oder mit einem Tupfer auftragen. Dabei solltest Du das entsprechend lange einwirken lassen. Achte dabei auf die Herstellerangaben. In der Regel beträgt die Einwirkzeit mindestens 15 Sekunden, mit mehr als 30 Sekunden bist Du auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Entferne gegebenenfalls Reste des Desinfektionsmittels mit dem Tupfer, damit sich kein Desinfektionsmittel beim Punktieren unter die Haut des Patienten verschiebt.

Nun kannst Du den eigentlichen Prozess der Blutabnahme starten. Gehe dabei wie folgt vor:

1 – Wie zuvor ausführlich beschrieben: Untersuchungshandschuhe anlegen, Stauschlauch anlegen, Punktionsstelle desinfizieren.

2 – Nimm die Funktionsnadel in die rechte Hand (bei Linkshändern umgekehrt) und entferne die Schutzkappe.

3 – Halte die Funktionsnadel so, dass bei der Punktion die Öffnung der Nadel sowie der Nadelschlitz nach oben zeigen.

4 – Spanne mit der mit der linken Hand (bei Linkshändern umgekehrt) die Haut seitlich der Punktionsstelle, um ein Wegrutschen der Vene zu vermeiden. Gleichzeitig kannst Du die punktierende Hand vor der Punktionsstelle auflegen und die Haut mit dieser distal zu spannen.

5 – Durchsteche die Haut möglichst schnell und kurz in einem 30 Grad Winkel. Bei einem steileren Winkel besteht die Gefahr, dass die Nadel auch die Venenhinterwand durchsticht, die Vene „platzt“ und ein Hämatom entsteht.

Blutabnahme Einstich Anleitung

6 – Bei Verwendung eines Butterflysystems wird sich der Schlauch bei erfolgreichem Punktieren nun mit Blut füllen. Bei einfachen Blutentnahmesystemen musst Du mit der linken Hand die Kanüle fixieren und ziehst mit der rechten Hand am Stempel des Blutröhrchens. Nun sollte sich das Röhrchen mit Blut füllen und Du siehst, ob Du getroffen hast.

7 – Fixiere anschließend weiterhin mit der linken Hand die Kanüle (bei Butterflysystemen ist keine weitere Fixierung nötig), schließe das Laborröhrchen an und führe die Blutentnahme durch. Ziehe den Stemple langsam und vorsichtig an. Fülle die Laborröhrchen bis zur Markierung, denn diese Blutmenge ist für die Analyse nötig.

8 – Entferne den Stauschlauch. Auf keinen Fall darf vorher die Kanüle entfernt werden, da es ansonsten zu einem starken Austritt von Blut aus der gestauten Vene kommt.

9 – Entferne die Kanüle zügig, da das Herausziehen schmerzhaft für den Patienten sein kann. Der Adapter muss hierzu auf dem Schlauch verbleiben, damit kein Blut beim Herausziehen aus dem Schlauch heraus läuft.

10 – Verwende einen keimarmen Tupfer und drücke damit auf die Punktionsstelle nach dem Entfernen der Kanüle. Der Patient selbst kann dann mit dem Tupfer die Wunde komprimieren.

Blutabnahme Wunde Komprimieren

11 – Entsorge die Funktionsnadel in einem dafür vorgesehenen Spritzenbehälter. Schütze dich vor Nadelstichverletzungen, in dem Du die Kanüle immer mit der Nadelspitze nach vorne hin entsorgst. Auch alle anderen Gegenstände, die mit Blut in Berührung kamen, müssen entsorgt werden.

12 – Der letzte Schritt: lege die Untersuchungshandschuhe ab.

„Übung macht den Meister“ gilt wie für viele Dinge im Leben auch für die Blutentnahme. Wenn du diesen Prozess oft genug durchführst und dich an die Vorbereitung und die Schritte wie beschrieben hälst, wirst Du Dich schnell verbessern.

Und wenn es doch mal nicht kappt und Du daneben stichst, lass Dich nicht aus der Ruhe bringen und halte Dich an die folgenden Tipps.

Tipp: was tun beim Blut abnehmen, wenn man die Vene nicht trifft?

Der Großteil des Blutstromes des menschlichen Körpers fließt nicht über die Venen direkt unter der Haut ab, sondern tief im Körper. Dies sind ganze 95 %. Von daher ist ein Fehltreffer auch nicht schlimm oder peinlich.

Wenn man nicht trifft, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Neu stechen
  • Nadel unter der Haut lassen und nachjustieren

Die meisten Schmerzrezeptoren des Patienten sitzen unter der Hautoberfläche. Daher kann es unter Umständen besser sein nachzujustieren anstatt neu zu stechen, insbesondere bei Rollvenen. In diesem Fall nachtasten, die Haut straffen, mit der Nadel im Gewebe bleiben und die Vene Treffen.

Ansonsten hilft natürlich immer der Klassiker unter den Ausreden, wenn man die Vene nicht trifft: „Sie haben aber schlechte Venen.“ Besonders bei Patienten bei denen die Venen sehr dünn oder sehr schwer zu finden sind, trifft dies aus sich des Arztes oder der medizinischen Fachangestellten natürlich in diesem Sinne zu, auch wenn der Patient gar keine schlechten Venen hat.

YouTube Anleitung zur Blutabnahme der FH Salzburg

Wer den kompletten Vorgang gerne nochmal als Video sehen möchte: In drei verschiedenen Durchgängen bringt die FH Salzburg euch in einem lehrreichen und hochklassigen Video die Blutabnahme näher. Hier ist das 6-Minuten-Video:

Wir wünsche Dir viel Erfolg beim Erlernen der Blutabnahme und denke immer daran: es gibt auch tolle Ärzte, die keine Meister der Blutentnahme sind.

Weisst du eigentlich wie es sich mit dem Blutabnahme bei Tattoos verhält? Im Artikel gibt es alle Infos: Wie sind die Regeln beim Blutspenden? Tabu für Tattoos?

1 Kommentar

  1. Dr. Alexander v. Meyer 24.01.2018 um 17:28 - Antworten

    In diesem Zusammenhang kann man auf die aktuelle offizielle Anleitung hierzu verweisen, die auch mit dem Video aus Salzburg übereinstimmt.
    Alexander von Meyer*, Janne Cadamuro, Thomas Streichert, Eberhard Gurr, G. Martin Fiedler, Alexander Leichtle, Astrid Petersmann, Karl-Heinz Pick, Matthias Orth, Lorenz Risch, Oswald Sonntag, York Schmitt, Bernhard Wiegel, Gottfried Topfer und Walter G. Guder, Arbeitsgruppe „Extraanalytische Qualität“ der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), der Schweizerischen Gesellschaft für Klinische Chemie (SGKC/SSCC) und der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (OGLMKC), Standard-Arbeitsanleitung zur peripher venösen Blutentnahme für die labormedizinische Diagnostik. J Lab Med 2017; 41(6): 333–40

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