Alternative Medizin

Alternative Medizin – wie gut sind Verfahren neben der Schulmedizin?

Nahezu jedem studierten Arzt gilt die Schulmedizin als absoluter Goldstandard, doch einige Patienten schwören auch auf die alternative Medizin. Im Jahr 1970 griff in Deutschland nur ein Drittel der Menschen zur Alternativmedizin, heute sind es rund 60 Prozent der Bevölkerung. Ist Heilung durch alternative Medizin ein Mythos oder tatsächlich möglich?

Alternative Medizin: Die bekanntesten alternativen Verfahren im Überblick

Für 60 Prozent der Deutschen reichen die Mittel der Schulmedizin nicht aus. Sie suchen zusätzliche Linderung durch alternative Heilmethoden. An Auswahl mangelt es nicht, etwa 400 Heilverfahren werden heute unter dem Oberbegriff Alternativmedizin zusammenfasst. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Naturheilverfahren (Beispiel: Hydrotherapie, Phytotherapie)
  • erweiterte Verfahren (Beispiel: Autogenes Training, Yoga)
  • eigenständige Konzepte (Beispiel: Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM))

Die Alternativmedizin (alternative Medizin und Komplementärmedizin werden weitgehend synonym verwendet) steht je nach Definition alternativ oder ergänzend zur Schulmedizin. Viele der 400 alternativen Heilmethoden sind umstritten, einige jedoch von der Schulmedizin anerkannt. So werden etwa Akupunktur, Homöopathie und diverse Naturheilverfahren von Schulmedizinern eingesetzt. Folgend eine Übersicht der wichtigsten alternativen Heilmethoden und den eingesetzten Verfahren:

  1. Akupunktur

Die Akupunktur ist ein Teil der „Chinesischen Medizin“ (TCM) und wurde vor über 2000 Jahren entwickelt. Das Behandlungskonzept basiert auf der Annahme, dass im menschlichen Körper eine Lebensenergie (Qi) fließt. Wird der Energiefluss gestört, entstehen Schmerzen und Krankheiten. Um die Energie wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, werden bestimmte Körperpunkte mit kleinen Nadeln behandelt.

  1. Homöopathie

Die Homöopathie entwickelt hat der deutsche Arzt Samuel Hahnemann. Er glaubte „Gleiches mit Gleichem“ heilen zu können. Wirkstoffe, die bei Gesunden ein Symptom auslösen könnten, würden bei Kranken das gleiche Symptom heilen, argumentierte Hahneman. Um die Wirksamkeit zu verstärken und die Nebenwirkungen zu minimieren, werden homöopathische Arzneimittel in stark verdünnten Dosen als kleine Kügelchen (sogenannte Globuli) verabreicht.

  1. Naturheilverfahren

Eines der bekanntesten Naturheilverfahren ist die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). Die Lehre beruht auf der Annahme, dass bestimmte Pflanzenstoffe eine heilende Wirkung besitzen. Aber auch andere natürliche Stoffe stehen im Zentrum der Naturheilverfahren, drunter auch Wasser (Hydrotherapie, die sogenannten Kneipp-Anwendungen mit Wechselbädern, Güssen oder Wickeln).

Wunder oder Wissenschaft: Wie ist die Wirkung der alternativen Medizin?

Alternative Medizin wird zunehmend ernst genommen. Schulmediziner können sich in den drei häufigsten alternativen Heilverfahren (Akupunktur, Homöopathie und Naturheilverfahren) über die Ärztekammern offiziell weiterbilden. Teilweise übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für gewisse alternative Therapiemethoden. Um die Wirkung der unterschiedlichen Heilverfahren genauer zu erforschen, bilden sich immer mehr Arbeitsgruppen, darunter etwa an der renommierten Charité in Berlin. Auch Lehrstühle an Universitäten gibt es zum Thema der Komplementärmedizin inzwischen. Doch der Nachweis der Wirksamkeit für alternative Medizin gestaltet sich schwierig. Zu einzelnen Heilmethoden gibt es mitunter hunderte Studien, jedoch immer noch keine abschließenden Ergebnisse.

Alternative Medizin KniebeschwerdenBesonders viele Untersuchungen gibt es zur Akupunktur. Die Linderung von chronischen Schmerzen wie Kopf- und Rückenschmerzen oder bei Kniegelenk-Arthrose konnte in Studien gezeigt werden. Andere Akupunktur-Studien legen nahe, dass die Einstichpunkte (Meridiane) überhaupt keine Rolle spielen. Auch die Existenz des Qi, der Lebensenergie, ist nicht bewiesen.

Ähnliche viele Studien finden sich zur Homöopathie – sie wird insgesamt als wirkungslos eingestuft. Andere alternativmedizinische Methoden wurden in Studien hingegen für wirksam befunden. Autogenes Training kann bei Asthma und Schlafstörungen helfen, Johanniskraut leichte Depressionen kurieren und Yoga kann Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Rückenschmerzen lindern.

Insgesamt ist jedoch die Wirksamkeit für alternative Medizin nicht hinreichend erforscht. Denn zu häufig sind die Studien methodisch mangelhaft, vor allem Placebokontrollgruppen fehlen. Dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der alternativen Therapiemethode und dem Behandlungsergebnis gibt, lässt sich deshalb nicht sicher nachweisen. Die scheinbare Wirkung könnte ein Placebo-Effekt sein.

Warum greifen die Menschen zur alternativen Medizin?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Menschen auf alternative Medizin setzen. Zum einen haftet alternativen Behandlungsmethoden das Image sanfter und natürlicher Heilung an. Davon könnten sich Skeptiker der Pharmaindustrie besonders angezogen fühlen. Ebenso können schlechte Erfahrungen mit der Schulmedizin, Denkfehler und missverstandene medizinische Forschungsergebnisse das Interesse an unkonventionelle Methoden schüren. Aber auch Patienten mit ernsthaften oder chronischen Erkrankungen, bei denen die heutige Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, suchen oft zusätzliche Hilfe in der Alternativmedizin.

Wann alternative Medizin sinnvoll sein kann

Alternative Medizin kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn sie Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen schulmedizinischer Therapien mildert, Schmerzen lindert, das Allgemeinbefinden verbessert und die Selbstheilungskräfte aktiviert.

Gefährlich können alternative Methoden werden, wenn sie anstelle einer konventionellen wirksamen Therapie eingesetzt werden oder den Start einer solchen Therapie hinauszögern. Einer sinnvollen Behandlung durch alternative Medizin sollten deshalb eine gute schulmedizinische Diagnostik und die Abwägung von Nutzen und Risiken vorausgehen. Im Rahmen der ganzheitlichen Medizin können auch alternative Ansätze berücksichtigt werden. Wird alternative Medizin als Ergänzung zur Schulmedizin verstanden, können Patienten davon nur profitieren.

Durch | 09.12.2017 | Allgemein | 0 Kommentar

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