Als Arzt auswandern

Arzt im Ausland – als deutscher Arzt ins Ausland

Dass deutsche Ärzte in nicht unbeträchtlichen Zahlen das Land verlassen, um anderswo als Arzt im Ausland ihr berufliches Glück zu suchen, ist keine Neuigkeit. Doch kann man mit einer deutschen Approbation im Ausland einfach durchstarten? In diesem Artikel sagen wir euch alles, was zu diesem Thema wichtig ist.

Tausende Ärzte bereits ins Ausland ausgewandert

Etwa 16.000 deutsche Ärztinnen und Ärzte sind laut der Bundesärztekammer zwischen 2001 und 2008 ausgewandert. Dass der Abwanderungstrend die medizinische Versorgung in Deutschland gefährdet ist klar. Das Ausland lockt jedoch mit geregelten Arbeitszeiten, flexibleren Arbeitsmodellen und einem deutlich höheren Einkommen. Daneben gibt es Länder, die einfach aufgrund einer anderen Kultur interessant sind.

Doch ist das Auswandern und Arbeiten als Arzt im Ausland wirklich so einfach? Nicht immer, denn sich das Stethoskop um den Hals hängen und loslegen klappt leider nicht immer ganz reibungslos denn es gilt: der deutsche Abschluss muss im Zielland auch anerkannt werden.

Als Arzt arbeiten in der Europäischen Union, ESW und Schweiz

Innerhalb der Europäischen Union ist die gegenseitige Anerkennung der ärztlichen Grundausbildung sowie der Facharztausbildung durch Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG geregelt. Wer sich also ein Zielland innerhalb der EU ausgesucht hat, muss vor Weggang prüfen, ob die bisher absolvierte Weiterbildung den Mindestanforderungen des Ziellands entspricht. Die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums EWS sind ebenfalls in diesem Katalog aufgeführt.

Einige Länder erkennen Facharztausbildungen automatisch untereinander an, andere verlangen eine Prüfung und stellen ggf. Nachforderungen in Form von zusätzlichen Prüfungen oder zusätzlicher klinischer Tätigkeit.

Für die Schweiz gibt es ein eigenes Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Berufsdiplomen, welches hier zu finden ist.

Als Arzt im Ausland in Drittstaaten tätig sein

Wenn Ärztinnen und Ärzte aus EU-Mitgliedsstaaten in außereuropäischen Staaten ärztlich tätig werden wollen, ist die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse immer eine Einzelfallentscheidung. In aller Regel muss das ärztliche Examen des Ziellands in der Landessprache nachgeholt werden. Außerdem werden Sprachnachweise oder Sogar Sprachtests gefordert.

Daher sollte man immer die Landesärztekammer und Behörde im Zielland kontaktieren. Im Vorfeld ist es stets ratsam, sowohl die Landesärztekammer als auch die für die Anerkennung der Abschlüsse zuständige Behörde im Zielland zu kontaktieren und sich im Speziellen über Regularien und Richtlinien zu informieren.

Dafür stellt die Bundesärztekammer eine ausführliche Adressenliste für EU-Länder unter länderspezifische Adressen EU zur Verfügung und sowie auch eine für Adressliste für nicht-EU-Länder.

Kehrt man von einem Auslandsaufenthalt in der Facharztweiterbildungszeit nach Deutschland zurück, muss ebenfalls die Landesärztekammer kontaktiert werden, um die Anrechenbarkeit zu prüfen. Weitere Informationen hierzu findet ihr auf der Homepage der Bundesärztekammer

Als Arzt nach Neuseeland, England oder in die Schweiz

Das Ärzteblatt berichtete 2009 über Dr. med. Christian Robold, der mit 49 Jahren als Arzt nach Neuseeland ausgewandert ist. Er arbeitete zu vor als Chefarzt in Deutschland in einer leitenden Position in einer Klinik in der Palliativmedizin. Grund für seine Auswanderung war Unzufriedenheit in Deutschland durch die stagnierende Entwicklung im Gesundheitssystem, insbesondere was die Finanzierung moderner medizinischer Methoden angeht und der Verteilung der Gelder im Gesundheitssystem (Quelle: Ärzteblatt). Neuseeland hingegen bietet viele schöne Dinge wie die Natur, das tolle Klima, mehr Raum durch weniger Menschen und einen freundlichen Umgang unter den Menschen untereinander und eine insgesamt tolle Atmosphäre. Daneben sind Ärzte in Neuseeland gefragt und dringend gesucht. Allerdings gilt hier die deutsche Approbation nicht und man darf in Neuseeland als deutscher Arzt nicht ohne weiteres praktizieren. Man fängt auch als gestandener Chefarzt wieder bei null an und muss in einer aufwendigen Prozedur die Registrierung beim sogenannten Medical Council durchführen.

Gute Chancen hat man auch als Arzt in England, auch wenn es inzwischen mehr britische Ärzte gibt als vor ein einigen Jahren. Vorteil ist hier natürlich zunächste die niedrige Sprachbarriere, daneben gibt es hier sehr gute Fortbildungsmöglichkeiten, flache Hierarchien und der Teamgeist steht im Vordergrund. Interessant ist hier vor allem auch eine Auswanderung auf Zeit durch Annahme einer sogeannten Locum Stelle. Dies sind Stellen für freiberuflich tätige Vertretungsärzte. Die Locum Stellen sind in der Regel auf mehrere Monate beschränkt, jedoch sind regelmässig viele dieser Stellen offen.

Den ausführlichen Bericht über das Auswandern in die Schweiz findet Ihr als Link am Ende des Artikels.

Auslandsberichte und weitere Informationen

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1 Kommentar

  1. Sebastian K 16.11.2017 um 15:47 - Antworten

    Hallo und danke für diesen informativen Beitrag! Im Ausland zu wohnen und zu arbeiten klingt sehr spannen und würde mich auch interessieren. Man muss sich aber im Voraus richtig gut um das ausländische System informieren, weil die sehr unterschiedlich sein können. Ich habe letztens gehört, dass man in jedem Land keinen Hausarzt hat. Wenn mir jemand genauere Infos zum Thema geben könnte, würde es mich sehr freuen.
    Grüße, Sebastian

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