Ärztemangel: Der Kampf beginnt auf dem Campus

Ärztemangel: Der Kampf beginnt auf dem Campus

Mehr Wahlfreiheit zwischen operativen und konservativen Fächern wünschen sich Medizinstudenten. Experten sehen hingegen mehr Potenzial in einem Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin, um den Nachwuchs für das Fach zu gewinnen.

BERLIN. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat vor Medizinstudierenden und jungen Ärzten das Versorgungsstärkungsgesetz verteidigt. Der geplante Abbau von Arztsitzen in überversorgten Gebieten brauche nicht abschreckend auf niederlassungswillige Jungmediziner zu wirken, sagte Gröhe bei einem Informationstag zur Niederlassung in Berlin.

Für die von der Koalition angestrebten Praxisschließungen in Gebieten mit einem Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent sei die Bezeichnung homöopathische Dosis noch übertrieben, sagte Gröhe.

Der Minister reagierte damit auf Warnungen von KBV-Chef Dr. Andreas Gassen, die Pläne könnten 25.000 Arztsitze gefährden. „Niemand will tausende Arztsitze abbauen“, hatte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), dazu mitgeteilt. Die Koalition wolle aber weniger Ärzte in Münster und Düsseldorf und mehr Ärzte im Sauerland und im Dortmunder Norden.

Die Veranstaltung „Fit für die Praxis?“ griff die Debatte um die Stärkung der Allgemeinmedizin und den Mangel an Hausärzten in sozialen Brennpunkten in Ballungsgebieten und auf dem Land auf. Dabei geriet auch das Studium selbst in die Kritik.

Praxisfernes Studium

Das Studium sei praxisfern, monierte der hausärztliche Vorstand der KBV, Regina Feldmann. Es sei überfällig, dass die Studenten schon während des Studiums Kontakt zur Hausarztpraxis bekämen.

Mit der Praxisferne lasse sich erklären, dass bei einer Studierendenbefragung im Frühjahr nur neun Prozent angaben, den Facharzt für Allgemeinmedizin anzustreben. Das Potenzial ist dagegen deutlich höher: Rund 34 Prozent gaben an, dass Allgemeinmedizin für sie durchaus in Frage komme. Antonius Ratte von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) forderte daher, die Art und Weise der Wissensvermittlung selbst auf den Prüfstand zu stellen.

Mittels Metaanalysen solle der Erfolg des Studienaufbaus gemessen werden. Ratte wandte sich generell gegen verpflichtende Abschnitte im Praktischen Jahr. Stattdessen sollten Wahlmöglichkeiten zwischen allgemein „operativen“ und „konservativen“ Fächern geschaffen werden.

Professorin Adelheid Kuhlmey, Prodekanin für Studium und Lehre der Berliner Charité, warb für eine Entrümpelung der Approbationsordnung, sprach sich aber für einen Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin aus. Kuhlmey forderte eine aufrichtige Debatte darüber, was gute Versorgung in einer alternden Gesellschaft sei. Ziel sei es zu ermitteln, wie viele Generalisten und wie viele Fachleute für Subspezialitäten überhaupt gebraucht würden. (af)

Information: Der Beitrag ist zuerst in der „Ärzte Zeitung“ erschienen. Er ist „praktischArzt“ von der Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die „Ärzte Zeitung“ gehört, zur Verfügung gestellt worden.

 

 

 

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Bildnachweis: Jirka Matousek via photopin cc

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