Weiterbildung Arbeitsmedizin – Facharztausbildung Arbeitsmedizin

Die Facharztausbildung bzw. Weiterbildung Arbeitsmedizin ist im Vergleich zu den anderen ärztlichen Fachrichtungen speziell. Sie befasst sich der Betriebsmediziner, doch vorwiegend mit präventiven und vorbeugenden Maßnahmen, während sich andere Ärzte mit der Therapie und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen beschäftigen. Daher wird die Arbeitsmedizin auch als präventivmedizinisches Fach bezeichnet.

Weiterbildung Arbeitsmedizin

Im Rahmen der Prävention beschäftigt sich der Arbeitsmediziner mit den Zusammenhängen der beruflichen Arbeit und Krankheit oder Gesundheit. Ziel ist es, dass der Mensch gesund und zufrieden ist und somit seine berufliche Leistungskraft voll erbringen kann.

Neben der Vorbeugung wird die Gesundheit durch die Erkennung und Analyse von arbeitsbedingten Erkrankungen und Berufskrankheiten gefördert. Durch die Dokumentation, Auswertung und Analyse der Erkrankungen können diese zukünftig im Rahmen der Prävention besser vermieden werden. Dazu zählt auch, dass sich der Arbeitsmediziner mit dem Arbeitsplatz selbst beschäftigt und diesen auf Gesundheitsgefährdungen hin prüft und den Arbeitgeber entsprechend berät.

Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin

Nach erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums und dem Schreiben einer Doktorarbeit in der Medizin wird in Deutschland erlangt der Jungmediziner in Deutschland die Approbation, die Berechtigung zum Ausübung des Arztberufes, sowie den Doktortitel.

Die ersten Jahre im Arztberuf werden anschließend als Assistenzarzt durchgeführt, welcher auch als Arzt in Weiterbildung bezeichnet wird. Die letztere Bezeichnung hat einen guten Grund, schließlich startet der Assistenzarzt auch seine Facharztausbildung in genau einem medizinischen Fachgebiet, wie zum Beispiel der Arbeitsmedizin.

Das Ziel der Facharztweiterbildung Arbeitsmedizin ist es, die Weiterbildungsinhalte die folgend genannt werden in der Weiterbildungszeit abzuleisten, um abschließend den Titel Facharzt für Arbeitsmedizin zu erhalten.

Dauer der Facharztausbildung für Arbeitsmedizin

Eine Facharztausbildung streckt sich über eine lange Zeit, so auch die Weiterbildung Arbeitsmedizin.

Insgesamt dauert die Weiterbildung 60 Monate bzw. 5 Jahre und wird an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte ausgeführt.

Die Weiterbildung zum Arbeitsmediziner unterteilt sich dabei wie folgt:

  •  24 Monate müssen in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden
  • 360 Stunden Kurs-Weiterbildung in Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin

Inhalte der Facharztausbildung Arbeitsmedizin

Folgende Weiterbildungsinhalte werden in der Facharztausbildung Arbeitsmedizin vermittelt. Die Inhalte der Weiterbildungen der ärztlichen Fachbereiche sind in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer festgelegt.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Arbeitsmedizin

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Duales Arbeitsschutzsystem durch den Staat und die Träger der Gesetzlichen Unfallversicherung
  • Betriebliche Organisationsstrukturen und Ablaufprozesse
  • Beratung von Arbeitgebern, Beschäftigten und deren Interessenvertretungen im Fall arbeitsbedingter Gefährdung der Gesundheit einschließlich psychischer Belastung und Beanspruchung
  • Berufskunde
  • Konzepte der Arbeitsmedizin, z. B. BelastungsBeanspruchungs-Konzept und Dosis-WirkungsBeziehungen
  • Grundlagen der Epidemiologie und Statistik
  • Arbeitsphysiologie
  • Grundlagen der Sozialmedizin
  • Sozialmedizinische Beratung
  • Grundlagen der Reise-, Tropen- und Flugmedizin
  • Beratung über gesundheitsgerechtes Verhalten im Ausland einschließlich der Expositionsprophylaxe, bei gesundheitlichen Einschränkungen sowie bei Reisen während der Schwangerschaft
  • Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder
  • Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung

Funktionsstörungen und Erkrankungen von Organsystemen

  • Differentialdiagnose und Therapieoptionen bei Funktionsstörungen und Erkrankungen
    – des Auges
    – des Blutes und der Blutgerinnung
    – des Endokriniums und Stoffwechsels
    – des Gastrointestinaltraktes
    – von Hals, Nase und Ohren
    – der Haut
    – des Herzkreislaufsystems
    – der Lunge
    – des Muskel-Skelettsystems
    – des Nervensystems
    – der Psyche
    – des Urogenitalsystems einschließlich Niere
  • Differentialdiagnose und Therapieoptionen bei nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen
  • Berufsbezogene Risiken
  • Berufsanamnese mit Erhebung von berufsbezogenen Risiken und Symptomen Bewertung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit sowie der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit anhand von
    – EKG
    – Lungenfunktionsprüfung
    – Ergometrie
    – apparative Techniken zur richtungsweisenden Untersuchung des Hörvermögens
    – apparative Techniken zur richtungsweisenden Untersuchung des Sehvermögens
  • Indikationsstellung zu und Befundinterpretation von radiologischen Untersuchungen

Primärpräventionen

  • Verhältnisprävention und Verhaltensprävention einschließlich Arbeitsplatzgestaltung, Ergonomie, Arbeitshygiene und Unfallprävention
  • Betriebs- und Arbeitsplatzbegehung, Arbeitsplatzbeurteilung, Gefährdungsbeurteilung einschließlich psychischer Belastungen, Risikobeurteilung, z. B. für besondere Beschäftigungsgruppen wie Jugendliche,
    Schwangere, leistungsgewandelte Beschäftigte
  • Beratung und Gefährdungsbeurteilung im Rahmen des Mutterschutzgesetzes
  • Beratung zu Maßnahmen der Verhaltensprävention, Präventionsberatung
  • Beurteilung von Messergebnissen verschiedener Arbeitsumgebungsfaktoren, z. B. Lärm, Klima, Beleuchtung, Gefahrstoffe
  • Beratung zur Auswahl von persönlichen Schutzausrüstungen, z. B. beim Umgang mit Gefahrstoffen
  • Grundzüge der Pandemieplanung im Betrieb
  • Durchführung von Maßnahmen der Infektionsprophylaxe im Betrieb
  • Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb

Sekundärprävention

  • Früherkennungsuntersuchungen bei Risikofaktoren und arbeitsbedingten Erkrankungen
  • Vorsorge gemäß Verordnung arbeitsmedizinischer Vorsorge
  • Eignungsuntersuchungen und Eignungsbeurteilungen nach entsprechenden Rechtsverordnungen einschließlich verkehrsmedizinischer Untersuchungen

Tertiärprävention

  • Beratung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement einschließlich individueller Einzelmaßnahmen
  • Medizinische, arbeitsplatzbezogene, betriebliche und soziale Rehabilitation
  • Beratung zur Arbeitsplatzgestaltung bei Beschäftigten, z. B. mit chronischen Erkrankungen und bei leistungsgewandelten Beschäftigten

Arbeitsbedingte Erkrankungen einschließlich Berufskrankheiten

  • Berufskrankheiten gemäß SGB VII und gemäß Berufskrankheiten-Verordnung, insbesondere
    – durch chemische Einwirkungen verursachte Krankheiten
    – durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten
    – Infektionskrankheiten und Tropenkrankheiten
    – Atemwegserkrankungen
    – Hautkrankheiten
  • Meldung des Verdachts von Berufskrankheiten gemäß SGB VII
  • Arbeits(mit)bedingte Erkrankungen
  • Beteiligung am Feststellungsverfahren für Berufskrankheiten
  • Finale und kausale Gutachtenerstellung einschließlich Zusammenhangsgutachten bei Berufskrankheiten
  • Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Volkskrankheiten

Arbeitstoxikologie

  • Toxikologische Grundlagen
  • Grundlagen der Kanzerogenese
  • Biomonitoring am Arbeitsplatz
  • Ambient Monitoring
  • Beurteilung chemischer Belastungen und Beanspruchungen
  • Beratung beim Umgang mit Gefahrstoffen

Arbeit und psychische Gesundheit

  • Grundlagen psychischer und psychosomatischer Krankheitsbilder und Symptome
  • Grundlagen der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie einschließlich betrieblichem Konflikt- und Stressmanagement
  • Beurteilung psychischer Belastungen und Beanspruchungen
  • Beratung und Begleitung im Rahmen betrieblicher Suchtprävention
  • Psychologische und psychometrische Analyseverfahren und Fragebögen zur Gefährdungsbeurteilung
  • Auswirkungen kultureller Faktoren und Einflüsse auf den Zusammenhang von Arbeit und psychischer Gesundheit

Umweltmedizinische Risikofaktoren

  • Erfassung, Beschreibung und Beurteilung von Umweltfaktoren hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Relevanz am Arbeitsplatz
  • Umweltmedizinische Beratung, z. B. bei umweltassoziierten Belastungen, umweltbezogenen Syndromen, umweltbedingten Erkrankungen

Betriebliches Gesundheitsmanagement

  • Grundlagen der Förderung der Gesundheit der Beschäftigten
  • Beratung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement in Unternehmen und Organisationen
  • Grundsätze der Salutogenese
  • Grundsätze gesunder Führung
  • Instrumente der Gesundheitsförderung
  • Koordination von Präventionsdienstleistern im Betrieb

Zukunftsperspektiven als Facharzt für Arbeitsmedizin

Der Facharzt für Arbeitsmedizin ist gefragt. Schließlich kann er dabei helfen, dass Arbeitsnehmer gesünder und zufriedener sind. Dies ist ein Vorteil für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Laut dem Verband für Arbeitsmediziner VDBW arbeiten immer mehr Ärzte in diesem Bereich freiberuflich. Als Gründe hierfür werden eigenverantwortliches und unabhängiges Arbeiten genannt.

Daneben gibt es jedoch auch viele passenden Stellenangebote in der Arbeitsmedizin direkt in unserer Jobbörse bei praktischArzt.de




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