Facharzt Umweltmedizin Hygiene

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

„Ich werde Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin“ – Diese Aussage aus dem Mund eines Medizinstudenten zu hören, ist eine absolute Seltenheit. Dabei haben ausgebildete Mediziner für kleine Fächer, sogenannte Orchideenfächer, große Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin werden händeringend gesucht. Vor allem ärztliche Hygienefachkräfte fehlen und müssen aufgrund des Mangels oft von Fachärzten anderer Fachrichtungen ersetzt werden.

Was sind die Tätigkeitsbereiche der Facharztausbildung für Hygiene und Umweltmedizin?

Seit 1992 sind die beiden Bereiche Hygiene und Umweltmedizin in einer Facharztausbildung zusammengefasst. Das Hauptmerkmal, das beide Fächer verbindet, ist die Erkennung und Vermeidung von gesundheitsschädigenden äußeren Einflüssen. Das können einerseits Infektionen mit pathogenen Keimen wegen mangelnder Hygiene sein. Andererseits können auch Schadstoffe in der Luft oder im Wasser Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Außerdem sind beide Fächer präventiv ausgerichtet. Während die Hygiene als Lehre der allgemeinen Vermeidung von Gefahren für die Gesundheit bekannt ist, bezieht sich die Umweltmedizin auf umweltspezifische Einflüsse. Neben dem präventiven Anteil befasst sich die klinische Umweltmedizin aber auch mit der Behandlung von Beschwerden, die auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. Typische Erkrankungen sind zum Beispiel Allergien, Unverträglichkeiten und Überempfindlichkeiten. Umweltmediziner behandeln auch das Chronic fatique Syndrom und die Fibromyalgie. Reine Hygienefachkräfte sind dagegen meist nicht in der direkten Patientenversorgung tätig.

Was sind die Inhalte der Facharztausbildung für Hygiene und Umweltmedizin?

Die Facharztausbildung setzt sich zusammen aus allgemeinen Inhalten, spezifischen Inhalten und Untersuchungs- und Behandlungsverfahren. Neben klinischem Wissen zur Entstehung, Diagnose und Therapie relevanter Erkrankungen werden interdisziplinäre Zusammenhänge zur Psychosomatik, Notfallmedizin, Schmerzmedizin und Palliativmedizin vermittelt. Auch medizinische verwandte Fächer wie Ethik, Ökonomie und Recht sind in das Curriculum integriert.

Spezifische Inhalte betreffen:

  • Krankenhaushygiene
  • Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen und öffentlichen Einrichtungen
  • Planungsmaßnahmen und Hygienekonzepte
  • Risikobeurteilung durch Umweltfaktoren und Schadstoffe
  • Biomonitoring, Umweltanalytik und Umwelttoxikologie
  • Lebensmittel-, Gebrauchs- und Bedarfsgegenstandshygiene
  • gesundheitlicher Verbraucherschutz
  • Grundlagen der Reisemedizin

Zu den relevanten Behandlungsverfahren gehören Analysen von Wasser-, Boden- und Abfallproben, Ortsbegehungen (im Krankenhaus) und Inspektionen, Probeentnahmen, -aufbereitung, und -analysen, vor allem auf nosokomiale Infektionen bezogen. Auch die Untersuchung von Menschen und Beratungsgespräche sind in der Facharztausbildung von Bedeutung.

Wie werde ich Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin?

Die Dauer der Facharztausbildung zum Hygieniker und Umweltmediziner beträgt 5 Jahre. Davon muss ein Jahr in einem Fachbereich der stationären Patientenversorgung verbracht werden.
Mögliche Weiterbildungsorte sind Universitätskliniken mit einem Institut für Hygiene und Umweltmedizin. Allerdings haben nicht alle Universitätskliniken einen eigenen Lehrstuhl für das Fach. Auch in großen Krankenhäusern, Landesbehörden, Laboratorien und Gesundheitsämtern sind Weiterbildungssbefugte zu finden. Allerdings fehlt hier meist der Einbezug der Forschung in die Ausbildung.

Falls bereits eine andere Facharztausbildung begonnen wurde, können 12 Monate aus der Pharmakologie, Arbeitsmedizin, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie oder dem Öffentlichen Gesundheitswesen angerechnet werden.

Sowohl für Hygiene als auch für die Umweltmedizin werden separate Zusatzweiterbildungen der Bundesärztekammer angeboten. Sie richten sich an Fachärzte anderer Bereiche, die sich weiterbilden möchten. Für die Qualifikation zum hygienebeauftragten Arzt müssen insgesamt 200 Stunden Kursweiterbildung erfolgen. Für die Weiterbildung zum Umweltmediziner sind 80 Stunden Kursweiterbildung und ein 20-stündiger Praxisteil erforderlich. Im Anschluss der Weiterbildungen erfolgt eine Prüfung bei der zuständigen Landesärztekammer.

Wie sind die Berufschancen, Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen?

Ärzte der Fachrichtung Hygiene und Umweltmedizin gehören zu den gefragtesten Fachärzten auf dem Stellenmarkt. Im Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetztes wurde vom Deutschen Bundestag rechtliche Vorlagen zur Einstellung hygienebeauftragter Ärzte festgelegt. Demnach müssen in Krankenhäuser mit mehr als 400 Betten, Einrichtungen für ambulante Operationen, Vorsorge- und Rehaeinrichtungen, Dialysepraxen und Tageskliniken hygienebeauftragte Ärzte vorhanden sein. Außerdem sollen weitere Plätze zur Weiterbildung geschaffen werden. Nachdem viele Universitätskliniken ihre Lehrstühle für Hygiene abgebaut haben und sich pro Jahr meist nur eine zweistellige Anzahl von Ärzten für die Facharztausbildung entscheidet, stehen nur sehr wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung. Durch das neue Gesetz könnte es zu einem erneuten Zuwachs kommen.

Auch für Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin gelten die Tarifverträge der Krankenhäuser. Je nach Berufsjahr liegt das durchschnittliche monatliche Gehalt zwischen 4.000 € brutto und 5.500 € brutto. In Gesundheitsämtern und Behörden liegt der Verdienst meist deutlich unter diesen Angaben.

Ein großer Vorteil der Facharztweiterbildung zum Arzt für Hygiene und Umweltmedizin ist die flexible Arbeitsplatzwahl. Während die Facharztausbildung in vielen anderen Fächern auf Krankenhäuser beschränkt ist, besteht die Möglichkeit, dem Klinikalltag den Rücken zuzukehren und für Ämter und Behörden zu arbeiten. Das geringere Gehalt wird durch flexible Arbeitszeitmodelle und eine bessere Work-Life-Balance aufgehoben.