
Ein Facharzt für Anatomie deckt ein bedeutungsvolles Gebiet der Humanmedizin ab. Längst ist klar, dass diesem Fachbereich in Reihen der Medizin ein besonders hoher Stellenwert zugeschrieben wird. Er gibt einen genauen Einblick in den Bauplan jedes einzelnen Individuums. Der Facharzt für Anatomie (kurz: Anatom) untersucht primär kranke und gesunde Organe. Ziel ist die Deutung und das Verständnis der Zusammenhänge von Körperstrukturen. In breiterem Sinne befasst sich ein Anatom mit dem Zustand des Körpers. Das umfasst dessen Aufbau inklusive seiner Organe und Gewebe unter Berücksichtigung systematischer und funktioneller Gesichtspunkte. Wir erklären alle wichtigen Tätigkeiten in dieser Facharztrichtung im folgenden Artikel. Dazu liefern wir einen Überblick über Werdegang und Verdienstmöglichkeiten der Anatome.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil und Tätigkeiten: Fachärzte für Anatomie untersuchen Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers. Sie analysieren Gewebe und Organe makroskopisch und mikroskopisch, führen Präparationen und Obduktionen durch und arbeiten häufig in Forschung, Lehre oder in Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachrichtungen.
- Weiterbildung in Deutschland: Nach dem Medizinstudium folgt eine 48-monatige Facharztweiterbildung in Anatomie. Bis zu 12 Monate können in anderen medizinischen Fachgebieten absolviert werden. Die Weiterbildung endet mit einer mündlichen Facharztprüfung.
- Gehalt in Deutschland: Assistenzärzte verdienen während der Weiterbildung etwa 5.500 7.350 € brutto monatlich. Das mediane Einkommen von Fachärzten für Anatomie liegt bei rund 7.100 € brutto pro Monat.
- Arbeitsorte: Anatomen arbeiten vor allem an Universitäten, anatomischen Instituten, Forschungseinrichtungen oder in Krankenhäusern und sind häufig in der medizinischen Lehre und wissenschaftlichen Forschung tätig.
Was ist ein Anatom?
Fachärzte für Anatomie sind studierte Mediziner mit abgeschlossener Facharzt-Weiterbildung in dieser Facharztrichtung. Der Begriff Anatomie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “zerschneiden” oder “trennen”. Die Bezeichnung hat demnach damit zu tun, dass die Kenntnisse eines Facharztes für Anatomie auf der Obduktion (bzw. Sektion oder Autopsie) von Leichen beruhen.
Das Feld der Anatomie kann in drei verschiedene Kategorien unterteilt werden: klassische, pathologische und mikroskopische Anatomie. Mikroskopische Anatomie ist vielen Personen unter dem Begriff “Histologie” bekannt. Diese Kategorie der Anatomie wird vorwiegend in jenem Bereich angewendet, der mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen ist (z. B. Aufbau von Geweben, Zellen, etc.). Die sogenannte pathologische Anatomie wird dem Fachbereich der Pathologie zugeschrieben und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Untersuchung von erkranktem Gewebe. Basis für jegliche Schwerpunkte im Zuge der Ausbildung bildet die klassische Anatomie ab.
Ein Facharzt für Anatomie besitzt ein immens hohes Ansehen unter Medizinern. Er gilt als ausgewiesener Experte des menschlichen Organismus, der das komplexe Zusammenspiel der Körperbestandteile verstehen und interpretieren kann. Generell beschäftigt sich ein Anatom sowohl mit dem Aufbau als auch mit dem Zustand des menschlichen Körpers. Dabei bezieht er sämtliche Organe und Gewebe mit ein. Des Weiteren deutet ein Anatom die funktionalen Zusammenhänge zwischen Körper, Skelett, Gewebe und Organen.
Was macht ein Anatom?
Ein wichtiges Tätigkeitsfeld für den Facharzt für Anatomie ist einerseits die funktionelle und andererseits die biomechanische Untersuchung von Geweben, Organen oder weiterer Bestandteile des menschlichen Körpers. Häufig führen Anatome Gewebeschnitte durch und züchten solche im Labor. Ihr geschultes Auge kann durch mikroskopische Untersuchung des Gewebes und/oder der Zellverbände etwaige Abnormalitäten feststellen, welche auf bestimmte Erkrankungen hindeuten können. Eine wichtige Aufgabe wird den Fachärzten für Anatomie auch in der Entwicklungsbiologie (Embryologie) zugeschrieben. In diesem Gebiet beschäftigen sie sich meist mit dem Stadium der befruchteten Eizelle bis hin zur Ausbildung des Embryos.
In einer Vielzahl von Fällen wird die Anatomie des Körpers durch diverse Erkrankungen beeinflusst, jedoch können auch kleinste anatomische Veränderungen im Körper Krankheiten auslösen. Ein Anatom wird regelmäßig von anderen Fachärzten in deren Untersuchung an Patienten miteinbezogen, um einen genaueren Einblick in das Zusammenspiel von Körperbestandteilen (Gewebe, Organe) zu bekommen und um Gewebe histologisch oder pathologisch untersuchen zu lassen.
Häufig wird ein Facharzt für Anatomie auch bei der Obduktion von Leichen hinzugezogen: zur Herstellung, Montage und Pflege von anatomischen Sammlungspräparaten (z. B. Plastinieren von Organen) bzw. für die regelkonforme Aufbewahrung und Konservierung von Leichen und Leichenteilen. In der gängigen Praxis ist ein Facharzt für Anatomie neben einer Anstellung im Gesundheitswesen (z. B. Krankenhaus, anatomischen Instituten) häufig in der Wissenschaft oder Lehre tätig.
Anatomie – Untersuchungsmethoden und Behandlungsmethoden
Aufgrund des Zusammenhanges zwischen der Entstehung von Krankheiten und der menschlichen Anatomie, sind Methoden, die es erlauben, einen Blick in das Innere des Körpers zu werfen, das wichtigste Hilfsmittel für einen Facharzt für Anatomie. Daneben ist auch die Mikroskopie fest im Berufsbild eines Anatomen verankert. Die gängigsten Untersuchungsmethoden im Fachgebiet der Anatomie, um einen Einblick in die Strukturen und in die Anatomie des Körpers zu erlangen, sind:
Makroskopische Untersuchungen
Das Gebiet der makroskopischen Anatomie befasst sich im Speziellen mit dem Aufbau des menschlichen Individuums und Dingen, die mit freiem Auge (ohne Mikroskop) sichtbar sind. Große Beachtung wird dabei nicht nur äußerlich sichtbaren Strukturen geschenkt, sondern auch jenen, die nach dem Aufschneiden des Körpers zum Vorschein kommen.
Bildgebende Verfahren
Insbesondere Röntgenaufnahmen erlauben es dem Facharzt für Anatomie, einen Einblick in das Innere des Körpers zu gewinnen, ohne diesen aufschneiden zu müssen. Auch die Computertomografie ist ein bildgebendes Verfahren und erlaubt den Anatomen, detaillierte Querschnittsbilder (z. B. von Gewebestrukturen oder Organen) einzusehen. Weitere Möglichkeiten sind in Form von Ultraschalluntersuchungen mittels Schallwellen, Magnetresonanztomografie (MRT), Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder der Untersuchung unter Einbeziehung radioaktiver Nuklide gegeben. Bei Letzterem werden radioaktiv markierte Substanzen (z. B. Zucker) in den Körper injiziert und so ermöglicht, dass der Weg dieser Substanz bei Durchlaufen der Stoffwechselprozesse genau verfolgt werden kann.
Mikroskopie
Im Gegensatz zu den mit bloßem Auge sichtbaren Strukturen besteht ein weiteres, wichtiges Einsatzgebiet für einen Facharzt für Anatomie im Bereich der mikroskopischen Untersuchungen (histologische Anatomie). Anatomen verwenden ein Mikroskop, um für das menschliche Auge nicht sichtbare Abläufe und Strukturen zu erkennen (z. B. Elektronen-, Licht- und Fluoreszenzmikroskopie). Im Fokus steht hier der Feinbau von verschiedenen Geweben und Organen, sowie die Untersuchung von Präparaten mit krankhaftem Gewebe (pathologische Anatomie).
Embryologische Untersuchungen
Im Fachgebiet der Embryologie legt ein Facharzt für Anatomie besonders großen Wert auf anatomische Strukturen, welche sich im Zuge der Embryonalentwicklung ausbilden. Um etwaige Fehlbildungen frühzeitig erkennen zu können, sind fundierte Kenntnisse im Bereich der Embryologie essenziell.
Präparationen
Das Ausführen von Obduktionen, die Herstellung anatomischer Präparate, das konforme Konservieren von Körpern, sowie die Bereitstellung von präpariertem Material für Studierende zählen darüber hinaus ebenso zum Aufgabengebiet von Anatome.
Wie wird man Facharzt für Anatomie?
Die Voraussetzung, um Facharzt für Anatomie werden zu können, ist ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin. Dieses Studium dauert mindestens 6 Jahre bzw. 12 Semester. Im Anschluss an das Studium der Humanmedizin kann mit erhaltener Approbation die Facharztausbildung in der Facharztrichtung Anatomie absolviert werden. Die Dauer der Facharztweiterbildung zum Facharzt für Anatomie beträgt 48 Monate, was einem Zeitraum von 4 Jahren entspricht. Von diesen 48 Monaten können 12 Monate Weiterbildung auf den Kompetenzerwerb in anderen medizinischen Gebieten fallen.
Die Inhalte der Facharztausbildung teilen sich in kognitive Kompetenzen und Methodenkompetenzen, sowie in den Erwerb von Handlungskompetenz auf. Deutschlandweit gibt es derzeit rund 110 Fachärzte für Anatomie (Stand Dez. 2022). Eine abschließende, mündliche Facharztprüfung (Dauer 30 bis 45 Minuten) ist die letzte Hürde, die es zu bewältigen gibt.
Was verdient ein Facharzt für Anatomie?
Sowohl das erreichte Karrierelevel (Assistenz-, Fach-, Ober- oder Chefarzt) als auch erworbene Berufserfahrung sind zwei ausschlaggebende Faktoren, die Einfluss auf das Facharzt-Gehalt nehmen.
Assistenzärzte verdienen während ihrer fundierten Ausbildung zum Facharzt für Anatomie zwischen 5.500 und 7.350 EUR brutto pro Monat. Diese Spanne ergibt sich aus den jeweils geltenden Tarifverträgen. In Deutschland beträgt das mediane, monatliche Bruttoeinkommen für einen Facharzt für Anatomie rund 7.100 EUR. Mehr zum Gehalt als Assistenzarzt hier:
Häufige Fragen zu Anatomie
- Was macht man als Facharzt für Anatomie?
- Wie viel verdient einFacharzt für Anatomie?
- Wie kann man Anatom werden?
- Sind Anatome Ärzte?
Als Facharzt für Anatomie beschäftigt man sich unter anderem mit den Zusammensetzungen von Körperstrukturen (Gewebe, Organe, Skelett), sowie dem Aufbau und Zustand des Körpers.
Der Median-Verdienst eines Facharztes für Anatomie beträgt in Deutschland rund 6.700 EUR brutto pro Monat. Etwa 50 Prozent der Fachärzte für Anatomie verdienen zwischen 5.417 Euro und 6.700 Euro brutto pro Monat.
Die Weiterbildung zum Facharzt für Anatomie kann im Anschluss an ein erfolgreich abgeschlossenes Studium der Humanmedizin erfolgen. Die Weiterbildungszeit beträgt 4 Jahre bzw. 48 Monate und schließt mit einer Facharztprüfung ab.
Ja, Anatome sind Ärzte, die über ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin (Dauer 6 Jahre bzw. 12 Semester) mit anschließender Weiterbildung zum Facharzt für Anatomie (Dauer 4 Jahre) verfügen.













