Facharztausbildung Transfusionsmedizin

Facharztausbildung für Transfusionsmedizin

Das Gebiet Transfusionsmedizin umfasst als klinisches Fach die hämotherapeutische Behandlung von Patienten sowie die Erfüllung von Aufgaben in der Vorbereitung, Durchführung und Bewertung hämotherapeutischer und transplantationsmedizinischer Maßnahmen, die Auswahl und medizinische Betreuung von autologen und allogenen Blut-, Zell- und Gewebespendern, die Herstellung, Prüfung und Weiterentwicklung biologischer Arzneimittel wie allogener und autologer zellulärer und plasmatischer Blut- , Zell-, Gewebeund Stammzellpräparate, die Beurteilung der Histokompatibilität allogener Zell-, Gewebe- und Organtransplantate sowie die Durchführung von transfusionsmedizinischen Therapieverfahren einschließlich therapeutischer Hämapheresen am Patienten.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Transfusionsmedizin

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Transfusionsmedizin spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Transfusionsmedizin erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Transfusionsmedizin

Die Weiterbildungszeit in der Transfusionsmedizin von 60 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon

  • müssen 18 Monate in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung mit hämotherapeutischem Bezug abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 6 Monate Weiterbildung in Laboratoriumsmedizin und/oder Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie erfolgen

Inhalte Weiterbildung Transfusionsmedizin

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Transfusionsmedizin zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Transfusionsmedizin:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Grundlagen der Organisation des Blutspendewesens und für den Verkehr von Blutkomponenten und Plasmaderivaten, auch im Not- und Katastrophenfall
  • Grundlagen der Organisation des Transplantationswesens und der Allokation von Zellen, Geweben und Organen
  • Labor- und Qualitätsmanagement
  • Dokumentation im Rahmen von Hämo-, Zell- und Gewebetherapien sowie Transplantationen
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (5)
  • Teilnahme an Sitzungen der Transfusionskommissionen und/oder Transplantationskommissionen

Notfallbehandlungen:

  • Hämotherapie bei hämolytischen Erkrankungen
  • Hämostyptische Therapien bei Blutungsneigung
  • Organisation von Notfall-Transfusionen
  • Herstellung von Spezialpräparaten für Notfälle (10), davon zelluläre Präparate (5)
  • Planung der Bereitstellung, Durchführung und Überwachung hämotherapeutischer Maßnahmen einschließlich Massivtransfusionen und Maßnahmen zur Blutstillung
  • Durchführung von notfallmedizinischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Spende
  • Erfassung und Behandlung von Nebenwirkungen im Rahmen der Hämo-, Zell- und Gewebetherapie sowie bei Transplantationen (10)

Entzündungen und Infektionen:

  • Infektionen durch transfusionsmedizinisch bedeutsame Erreger einschließlich deren Erkennung, Epidemiologie, Behandlung und Prophylaxe
  • Behandlung von Infektionen durch Blutprodukte, somatische Zelltherapeutika, Gentherapeutika und andere biologische Arzneimittel
  • Behandlung infektionsassoziierter Blutungen, z. B. bei Sepsis oder Multiorganversagen sowie transfusionsassoziierter Infektionen
  • Behandlung von Infektionen durch zelluläre Therapien, z. B. Granulozyten, Antigen-spezifische T-Zellen oder modifizierte Effektorzellen
  • Durchführung und Befunderstellung spezieller infektiologischer Untersuchungen mit serologischen, biochemischen und molekulargenetischen Methoden

Alters-, geschlechts- und kulturspezifische Erkrankungen:

  • Schwangerschaftsspezifische Immunisierungen und transfusionsmedizinisch relevante Erkrankungen, insbesondere Alloimmunisierung gegen Blutgruppen- und Gewebemerkmale, Morbus hämolyticus neonatorum (MHN) sowie peripartale Koagulopathie
  • Immunhämatologische Diagnostik in der Schwangerschaft, davon

– in der Schwangerschaftsvorsorge (50)
– bei feto-maternaler Inkompatibilität (5)

  • Pädiatrische Hämotherapie, insbesondere Blutgruppen-Inkomapatibilität, angeborene Defekte der Hämatopoese und des Immunsystems sowie intrauterine Hämotherapie
  • Hämotherapeutische Behandlung, z. B. bei MHN, neonataler Autoimmunthrombozytopenie (NAIT), Haemolysis-Elevated Liver Enzyme-Low Platelet (HELLP)-Syndrom
  • Organisation der Hämotherapie bei Herstellung und Bereitstellung von Spezialpräparaten für die fetale und pädiatrische Transfusion (10)
  • Altersspezifische Transfusionsmedizin und Transplantationsverfahren
  • Allokation von Organen, Geweben oder Stammzellen nach Geschlecht und Alter

Tumorerkrankungen:

  • Hämato-onkologische Erkrankungen, solide Malignome einschließlich der Behandlungsoptionen funktioneller Störungen sowie Bildungs- und Abbaustörungen von Blutzellen
  • Planung und Bereitstellung onkologischer Hämotherapien, z. B. unter Berücksichtigung der Immunkompetenz zur Infektionsabwehr (z. B. CMV) und Vermeidung einer Graft-versus-Host Disease (z. B. Blutproduktebestrahlung)
  • Grundlagen der Immuntherapie und der Behandlung von Malignomen durch Blutprodukte, somatische Zelltherapeutika, Gentherapeutika und andere biologische Arzneimittel
  • Zelluläre Therapieoptionen bei Tumorerkrankungen
  • Mitbehandlung von Tumorerkrankungen durch die Herstellung und unmittelbare Anwendung zellulärer Arzneimittel wie Lymphozyten, Antigen-spezifische T-Zellen oder modifizierte Effektorzellen einschließlich der die Anwendung begleitenden Diagnostik

Transplantation:

  • Grundlagen der Transplantationsimmunologie
  • Planung und Bereitstellung von Hämotherapien im Rahmen von Transplantationen, z. B. bei AB0- Blutgruppenwechsel bei Stammzelltransplantation
  • Allokation von Organen, Geweben oder Stammzellen, z. B. nach Histokompatibilität und Immunstatus

Blut-, Zell- und Gewebespende und Herstellung von biologischen Arzneimitteln:

  • Spenderaufklärung und -information sowie Spendervorbehandlung und -konditionierung für spezielle Spende- und Entnahmeverfahren, z. B. periphere Blutstammzellen und Knochenmark
  • Spenderauswahl bei besonderen Populationen
  • Indikation, Differenzierung, Stimulation, Modifikation biologischer Arzneimittel, z. B. von differenzierten Zellen, Stammzellen, Arzneimitteln für neuartige Therapien (ATMP), Geweben und plasmatischen Bestandteilen
  • Spenderauswahl, Gewinnung, Präparation, Prüfung, Freigabe, Lagerung, Transport und Entsorgung biologischer Arzneimittel
  • Verfahren zur Pathogenreduktion und -inaktivierung
  • Autologe Hämotherapie und alternative blutsparende Verfahren, z. B. intraoperative maschinelle Autotransfusion
  • Durchführung von allogenen und autologen Blutund Apheresespenden, davon

– Vollblutspenden (50)
– präparative Hämapheresen, z. B. Plasmaspenden, Zytapheresenspenden (40)
– hämatopoetische Stammzellspenden (20)

  • Mitwirkung bei Knochenmarkentnahmen für therapeutische Zwecke
  • Herstellung von allogenen und autologen biologischen Arzneimitteln, insbesondere

– Blutprodukte aus Vollblutspenden
– Blutprodukte aus präparativer Hämapherese
– andere Blutprodukte, z. B. autologe SerumAugentropfen und Thrombozytenlysate
– zelluläre Arzneimittel und Präparationen aus Stammzellen, Vorläuferzellen und Immunzellen einschließlich Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP)

  • Präparation von Blutkomponenten und Zelltherapeutika (5.000)
  • Bearbeitung und Bewertung von Rückverfolgungsverfahren (5)
  • Grundlagen der Mobilisierung von peripheren Blutstammzellen bei allogenen und autologen Spendern sowie von Granulozyten bei allogenen Spendern
  • Grundlagen der Entnahme von Vorläuferzellen mittels Knochenmarkpunktion
  • Evaluation, Standardisierung und Validierung transfusionsmedizinisch relevanter Verfahren

Diagnostische Verfahren:

  • Grundlagen der immunhämatologischen, infektiologischen, immunologischen, hämostaseologischen, molekulargenetischen, zytometrischen, klinisch-chemischen sowie immungenetischen und HistokompatibilitätsDiagnostik
  • Auswahl und Anwendung von Untersuchungsverfahren zur Kompatibilitätsbewertung, Prognoseabschätzung und Bewertung therapeutischer Maßnahmen einschließlich technischer und medizinischer Validierung im Zusammenhang mit Transfusionen und Transplantationen
  • Nachweis und Verträglichkeitsuntersuchungen von transfusionsrelevanten Antigenen und Antikörpern sowie der zugrundeliegenden Gene
  • Nachweis und Verträglichkeitsuntersuchungen von transplantationsrelevanten Antigenen und Antikörpern sowie der zugrundeliegenden Gene
  • Diagnostik von Erkrankungen durch erythrozytäre Auto- oder Alloantikörper (50), davon Mehrfachantikörper in mehr als 2 Blutgruppensystemen (10)
  • Diagnostik bei Spendern und Patienten einschließlich molekulargenetischer Verfahren, davon

– infektiologische Labordiagnostik bei Spendern (5.000)
– infektiologische Labordiagnostik bei Patienten
– hämostaseologische und klinisch-chemische Diagnostik (50)
– immunhämatologische Blutgruppen-Diagnostik (5.000), davon in mindestens 5 Blutgruppensystemen (50)
– transplantationsimmunologische Diagnostik (150), davon HLA-Typisierungen (Klasse I, Klasse II) (100), davon mit Haplotyp-Zuordnung in Kernfamilie (10)
– weitere transplantationsrelevante Merkmale
– Verträglichkeitsproben im Zusammenhang mit Transfusionen und Transplantationen (5.000)

  • HPA-Inkompatibilität und Abklärung von transfusionsassoziierter akuter Lungeninsuffizienz (TRALI)
  • Genetische Segregationsanalysen bei Familienmitgliedern mittels immungenetischer Methoden
  • Indikationsstellung zur fachgebundenen genetischen Beratung

Therapeutische Verfahren:

  • Grundlagen der Behandlung mit Blutprodukten, weiteren Zellen, Geweben und Organen sowie transfusionsmedizinischer Therapieverfahren und Interventionen einschließlich zellulärer und plasmatischer Depletionsverfahren
  • Durchführung von Transfusionen mit Blutkomponenten, Zelltherapeutika und Plasmaderivaten, davon

– Transfusion erythrozytärer Blutkomponenten (25)
– Transfusion nicht-erythrozytärer Blutkomponenten (25)
– Austauschtransfusion (erythrozytär und plasmatisch)

  • Hämotherapie bei Erkrankungen mit Destruktion von Blutzellen, z. B. bei immunhämolytischen Anämien oder Immunthrombozytopenien
  • Management der patientenindividualisierten Hämotherapie (5)
  • Autologe hämotherapeutische Maßnahmen (10)
  • Therapeutische Apheresen für zelluläre und plasmatische Bestandteile, z. B. Leukozytapherese, Erythrozytapherese, Thrombozytapherese, extrakorporale Photopherese, Plasma-Apherese und Plasma-Austausch, Verfahren der Immunadsorption
  • Durchführung von therapeutischen Apheresen (20)
  • Transfusionsmedizinische und transplantationsimmunologische Konsile im Zusammenhang mit der Therapie mit Blutprodukten, weiteren Zellen, Geweben und Organen sowie transfusionsmedizinischer Therapieverfahren und Interventionen einschließlich zellulärer und plasmatischer Depletionsverfahren
  • Beratung von Ärzten im Zusammenhang mit der Transfusion von Blutkomponenten einschließlich der Abklärung von Abweichungen und unerwünschten Reaktionen

Hämostasestörungen:

  • Grundlagen der Behandlung funktioneller Störungen des Gerinnungssystems (zellulär, plasmatisch, fibrinolytisch)
  • Grundlagen der Thrombozytopathien
  • Grundlagen der Erkrankungen aus dem Formenkreis der Koagulopathien, insbesondere Hämophilie und Thrombophilie
  • Klinisch-hämostaseologische Konsile (5)

Facharztausbildung Transfusionsmedizin – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Transfusionsmedizin.

Nachdem alle Inhalte der Weiterbildung Transfusionsmedizin erfolgreich durchlaufen wurden, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Transfusionsmedizin sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Transfusionsmedizin zum Download an.

Passende Jobs in der Transfusionsmedizin

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Transfusionsmedizin Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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