Facharztausbildung Rechtsmedizin

Facharztausbildung für Rechtsmedizin

Das Gebiet Rechtsmedizin umfasst die Entwicklung und Anwendung medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden für die Bearbeitung rechtlicher Fragestellungen sowie die Vermittlung rechtsmedizinischer einschließlich arztrechtlicher und ethischer Kenntnisse für die Ärzteschaft.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Rechtsmedizin spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Rechtsmedizin erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Rechtsmedizin

Die Facharztausbildung Rechtsmedizin beträgt insgesamt 60 Monate, was einem Zeitraum von 5 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Rechtsmedizin wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der Rechtsmedizin von 60 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon

  • müssen 6 Monate im Gebiet Pathologie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate im Gebiet Psychiatrie und Psychotherapie abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 6 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Rechtsmedizin

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin zu durchlaufen.

Bei den Zahlen in Klammern handelt es sich um Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Rechtsmedizin:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Grundlagen der Kriminalistik, insbesondere Spurenkunde, Ballistik und Waffenkunde, Tatortarbeit und operative Fallanalyse

Forensische Pathologie und Morphologie:

  • Thanatologische Grundlagen zur Interpretation von Leichenschaubefunden
  • Methoden der Todeszeitschätzung
  • Rechtsmedizinische Obduktionstechnik, auch bei speziellen Fragestellungen
  • Forensisch-traumatologische Grundlagen einschließlich Biomechanik zur Interpretation von Verletzungsmustern, insbesondere im Hinblick auf ihre Genese
  • Forensisch-histopathologische Untersuchungsmethoden sowie Grundlagen histopathologischer Befundung
  • Indikation und Methoden zur Sicherung von Asservaten für weiterführende Untersuchungen, z. B. Histologie, Toxikologie, Molekulargenetik
  • Beschreibung und Bewertung von Leichenschaubefunden (400)
  • Dokumentation und Bewertung relevanter Befunde an Tatorten und Fundorten (25)
  • Durchführung gerichtlicher Obduktionen mit rechtsmedizinischer Sektionstechnik, Beurteilung der Obduktionsbefunde und Erstellung eines Sektionsprotokolls mit vorläufigem Gutachten zur gegebenen Fragestellung (300)
  • Histopathologische Befundung im Rahmen weiterführender Untersuchungen bei gerichtlichen Obduktionen in Schnitten (2.000)
  • Schriftliche Gutachtenerstellung zu forensischpathologischen Fragestellungen unter Würdigung des Inhalts von Ermittlungsakten und/oder der Ergebnisse weiterführender Untersuchungen, z. B. Histologie, Toxikologie (50)

Klinische Rechtsmedizin:

  • Untersuchungsablauf und -techniken zur Dokumentation sowie zur Indikation und Durchführung der Asservierung von Körperflüssigkeiten und Spuren
  • Forensisch-traumatologische Grundlagen zur Interpretation von Verletzungsmustern
  • Weitervermittlung von Gewaltopfern in andere medizinische Disziplinen und an psychosoziale Einrichtungen
  • Klinisch-forensische Untersuchungen, Beurteilung und Dokumentation von Verletzungen bei Lebenden, insbesondere in Fällen von Kindesmisshandlung und Sexualdelikten einschließlich Spurensicherung, davon

– bei Kindern (20)
– bei Sexualdelikten (20)

  • Erstattung schriftlicher Gutachten zu klinischrechtsmedizinischen Fragestellungen unter Einbeziehung des Inhalts vorgelegter Akten (20)

Forensische Toxikologie einschließlich Alkohologie:

  • Indikation für forensisch-toxikologische Untersuchungen
  • Analytische Grundlagen
  • Grundlagen der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Alkohol, Drogen und wichtigen zentralnervös-wirksamen Medikamenten
  • Entnahme und Asservierung von Untersuchungsmaterial
  • Indikationsstellung für forensisch-toxikologische Untersuchungen, z. B. Obduktionen, Lebenduntersuchungen, bei verkehrsmedizinischen Fragestellungen
  • Schriftliche Gutachten mit forensischpsychopathologischer oder verkehrsmedizinischer Fragestellung unter Einbeziehung toxikologischer Befunde, insbesondere zu Alkohol, Drogen, Medikamenten (50)

Forensische Spurenkunde und Molekulargenetik:

  • Grundlagen forensischer Spurenkunde, insbesondere Detektion, Dokumentation, Asservierung, Interpretation am Leichenfundort und bei Lebenduntersuchungen
  • Grundlagen molekulargenetischer Untersuchungen
  • Entnahme und Asservierung von Untersuchungsmaterial
  • Indikationsstellung für Spurenuntersuchungen, insbesondere für molekulargenetische Untersuchungen, ggf. Einbeziehung von histologischen und präanalytischen Methoden
  • Interpretation und diagnostische Einordnung der Ergebnisse von Spurenuntersuchungen in der rechtsmedizinischen Fallarbeit
  • Schriftliche Gutachten zu Spurenbildern und deren Bewertung (10)

Forensische Anthropologie und Odontologie:

  • Anthropologische und odontologische Grundlagen zur Klärung forensischer Fragestellungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Identifizierung unbekannter Leichen und der Altersdiagnostik bei Lebenden
  • Methoden zur Identifikation unbekannter Leichen
  • Methoden der forensischen Altersdiagnostik
  • Schriftliche Gutachten zur Frage der Identifizierung unbekannter Leichen und Leichenteile einschließlich Skelettfunde (10)

Forensische Bildgebung:

  • Grundlagen der forensischen Anwendung von bildgebenden Verfahren
  • Fotodokumentation
  • Indikationsstellung zu bildgebenden Verfahren
  • Interpretation und diagnostische Einordnung der Befunde bildgebender Untersuchungen in der rechtsmedizinischen Fallarbeit, z. B. bei Obduktionen, Identifizierung, Altersdiagnostik, Lebenduntersuchungen

Forensische Psychopathologie:

  • Ursachen einer Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit, insbesondere bei psychiatrischen Erkrankungen, Intoxikationen
  • Methodik der forensisch-psychiatrischen Begutachtung
  • Indikationsstellung zur forensischpsychopathologischen Abklärung
  • Schriftliche Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit Intoxikationen (10)

Verkehrsmedizinische Begutachtung:

  • Ursachen der Aufhebung von Fahrsicherheit bzw. Fahreignung
  • Methodik der verkehrsmedizinischen Begutachtung
  • Schriftliche Gutachten zur Frage der Fahrsicherheit oder Fahreignung (20)

Arztrecht und Arztethik:

  • Grundlagen von Arztrecht und Arztethik
  • Schriftliche Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen (10)

Rolle als Gutachter, Praxis der Gutachtenerstattung:

  • Rechte und Pflichten des Gutachters
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, z. B. Kausalitätstheorien in Straf- und Zivilrecht
  • Erstattung mündlicher Gutachten bei Gericht (50)

Facharztausbildung Rechtsmedizin – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Rechtsmedizin.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Rechtsmedizin, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Rechtsmedizin sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch  Rechtsmedizin zum Download an.

Passende Jobs in der Rechtsmedizin

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