Facharztausbildung Psychosomatik

Facharztausbildung für Psychosomatik

Das Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst die Erkennung, psychosomatisch-medizinische und psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Krankheiten und Leidenszuständen, an deren Verursachung und Chronifizierung psychosoziale, psycho-somatische und somato-psychische Faktoren einschließlich dadurch bedingter körperlich-seelischer Wechselwirkungen maßgeblich beteiligt sind.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatik

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Psychosomatik spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Psychosomatik erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Psychosomatik

Die Facharztausbildung Psychosomatik beträgt insgesamt 60 Monate, was einem Zeitraum von 5 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Psychosomatik wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der Psychosomatik von 60 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon

  • müssen 12 Monate in anderen Gebieten der somatischen Patientenversorgung abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie und/oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie erfolgen

Inhalte Weiterbildung Psychosomatik

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatik zu durchlaufen.

Bei den Zahlen in Klammern handelt es sich um Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie:

  • Wesentliche Gesetze und Richtlinien, insbesondere hinsichtlich Patientenrechte, Behandlung, Unterbringung und Betreuung psychisch Kranker
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (3)

Krankheitslehre und Diagnostik:

  • Theorie in Krankheitslehre und Diagnostik in Stunden (120)
  • Psychosomatische und psychotherapeutische Anamnese und Befunderhebung, ggf. unter Einbeziehung der Familie und der sozialen Situation einschließlich der Erfassung des psychopathologischen Befundes und der Erkennung seelisch-körperlicher Wechselwirkungen bei psychischen und somatischen Erkrankungen und Störungen, z. B. onkologische, neurologische, kardiologische, orthopädische und rheumatische Erkrankungen sowie Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen, davon Untersuchungen mit unmittelbarem Bericht im Konsiliar- und Liaisondienst (40)
  • Konzepte der psychosomatischen Medizin
  • Ätiologie und Chronifizierung psychischer und psychosomatischer Störungen und Erkrankungen
  • Konzepte der psychosozialen Belastungen und der Lebensqualität bei somatischen Störungen
  • Konzepte der Bewältigung von somatischen Störungen und Erkrankungen einschließlich spezieller Verfahren der Diagnostik bei seelisch-körperlicher Wechselwirkung
  • Psychopathologie, psychiatrische Nosologie, Neurobiologie, Genetik und Epigenetik der psychischen und psychosomatischen Störungen
  • Verhaltensdiagnostik, Psychodynamik und Gruppendynamik, Lernpsychologie, psychodiagnostische Testverfahren
  • Generationsübergreifende neurobiologische und psychologische Entwicklungskonzepte, Psychotraumatologie und Bindungstheorie
  • Psychosomatische und psychotherapeutische Untersuchungen einschließlich psychopathologischer Befunde und deren standardisierter Erfassung, davon

– ENTWEDER: dokumentierte Untersuchungen im psychodynamischen/ tiefenpsychologischen Verfahren, z. B. psychodynamisches Erstinterview, tiefenpsychologischbiographische Anamnese, strukturierte
Interviews einschließlich Testdiagnostik, davon können bis zu 20 Untersuchungen in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (60)
– ODER: dokumentierte Untersuchungen im verhaltenstherapeutischen Verfahren, z. B. strukturierte Interviews, Testdiagnostik und Verhaltensanalyse, davon können bis zu 20 Untersuchungen in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (60)

  • Konfliktlehre, Ich-Psychologie, Strukturtheorie, Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Mentalisierungstheorie
  • Sozialpsychologie, Lernpsychologie, Kognitionspsychologie sowie allgemeine und spezielle Verhaltenslehre

Therapie psychosomatischer Störungen und Erkrankungen:

  • Wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren und -methoden, insbesondere psychodynamisch/tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie
  • Konzepte der Psychoedukation und der supportiven, imaginativen, ressourcenorientierten, systemischen, achtsamkeitsbasierten und nonverbalen psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlungen
  • Störungsorientierte Methoden und Techniken bei psychischen und psychosomatischen Störungen und Erkrankungen
  • Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter
  • Indikations- und Differentialindikationsstellung zur Psychotherapie, Somatotherapie, Soziotherapie, Kunst-, Musik- und Bewegungstherapie sowie senosmotorischen Übungsbehandlungen einschließlich Krankenhausbehandlung und Rehabilitation
  • Verhalten bei nicht-stoffgebundenen und stoffgebundenen Süchten
  • Psychopharmakotherapie und Risiken des Arzneimittelgebrauches
  • Mitbehandlung im interdisziplinären Team bei somatischen Erkrankungen/Störungen, die einer psychosomatischen und psychotherapeutischen Behandlung bedürfen
  • Psychosomatische-psychotherapeutische Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung zur Klärung psychosomatischer Interaktionen sowie zum Aufbau eines psychosozialen Krankheitsverständnisses und von Therapiemotivation
  • Entspannungstechniken, z. B. Hypnose, autogenes Training, progressive Muskelentspannung
  • Psychosomatisch-supportive und psychoedukative Therapien bei somatisch Erkrankten
  • Psychotraumatherapien mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken, z. B. Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
  • Theorie in Behandlungslehre in Stunden (120)
  • Psychosomatische und psychotherapeutische Behandlungen einschließlich traumabedingter und sexueller Störungen mit besonderer Gewichtung der psychosomatischen Symptomatik unter Einschluss
    der Anleitung zur Bewältigung somatischer und psychosomatischer Störungen und Erkrankungen und der multimodalen psychosomatischpsychotherapeutischen Komplexbehandlung und der multimodalen Therapie im stationären Setting in dokumentierten Fällen, davon können bis zu 20 in der jeweils anderen Grundorientierung erbracht werden (100)
  • ENTWEDER Behandlungen unter Supervision im psychodynamischen/tiefenpsychologischen Verfahren, davon

– Einzelpsychotherapien von 30 bis 100 Stunden pro Behandlungsfall einschließlich Bericht an den Gutachter (8)
– Kurzzeitpsychotherapien von 5 bis 25 Stunden pro Behandlungsfall (50)
– Gruppenpsychotherapien von 200 Stunden mit 3 bis 9 Patienten

  • ODER Behandlungen unter Supervision im verhaltenstherapeutischen Verfahren, davon

– Langzeitpsychotherapien von jeweils 30 bis 80 Stunden pro Behandlungsfall einschließlich Bericht an den Gutachter (8)
– Kurzzeitpsychotherapien von 5 bis 25 Stunden pro Behandlungsfall (50)
– Gruppenpsychotherapie von 200 Stunden mit 3 bis 9 Patienten

  • Psychodynamische/tiefenpsychologische Einzeltherapie, psychodynamische Paartherapie, Familientherapie einschließlich systemischer Therapie, Gruppenpsychotherapie und Psychotraumatherapie mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken
  • Verhaltenstherapeutische Einzel- und Paartherapie, Familientherapie einschließlich systemischer Therapie, Gruppenpsychotherapie und Psychotraumatherapie mit Anwendung von traumaspezifischen Techniken

Prävention und Rehabilitation:

  • Prävention, Früherkennung und Rehabilitation psychosomatischer Störungen und Erkrankungen
  • Indikationsstellung zur psychosomatischen Rehabilitation und Differentialindikation zur psychiatrischen Rehabilitation
  • Klassifikationsmodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit von Patienten mit psychischen Erkrankungen und Störungen, z. B. International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)
  • Befunderstellung für Rehabilitationsanträge

Notfälle:

  • Krisenintervention bei Suizidialität, Traumafolgestörungen, akuten Belastungsreaktionen, akuten Angststörungen, psychotischen Zustände, Dissoziationen

Selbsterfahrung:

  • Selbsterfahrung zur Stärkung personaler und Beziehungskompetenzen, welche im gleichen psychotherapeutischen Verfahren erfolgen muss, in welchem die Psychotherapiestunden geleistet werden, davon
  • ENTWEDER im tiefenpsychologisch/psychodynamischen Verfahren in Einzel- und Gruppenselbsterfahrung, davon

– Einzelselbsterfahrung in Stunden (120)
– Doppelstunden in Gruppen (40)

  • ODER im verhaltenstherapeutischen Verfahren in Einzel- und Gruppenselbsterfahrung in Stunden (150), davon Doppelstunden in Gruppen (40)
  • Balintgruppenarbeit und/oder interaktionsbezogene Fallarbeit in Doppelstunden

Facharztausbildung Psychosomatik – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Psychosomatik.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Psychsomatik, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Psychosomatik sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch  Psychosomatik zum Download an.

Passende Jobs in der Psychosomatik

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Psychosomatik Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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