Facharztausbildung Plastische, Rekonstruktive Und Ästhetische Chirurgie

Facharztausbildung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Die Plastische Chirurgie (griechisch πλάττειν pláttein, deutsch ‚bilden‘, ‚formen‘, ‚gestalten‘) ist ein Fachgebiet, die aus funktionellen oder ästhetischen/rekonstruktiven Gründen formverändernde Eingriffe an Organen oder Gewebeteilen vornimmt. Hauptsächlich beschäftigt sie sich mit dem sichtbaren Teil des Körpers. Ziel der Plastischen Chirurgie ist es, die Körperform und sichtbar eingeschränkte Körperfunktionen wiederherzustellen oder zu verbessern.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Die Weiterbildungszeit in der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie von 72 Monaten (6 Jahre) wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon werden

  • 48 Monate in Plastischer, Rekonstruktiver und Ästhetischer Chirurgie abgeleistet
  • 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet
  • 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet
  • bis zu 12 Monate zum Kompetenzerwerb Weiterbildung können in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie:

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin:

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie:

  • Einleitung und Durchführung von berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (10)

Plastisch-chirurgische Notfälle:

  • Behandlungsoptionen fachspezifischer akuter Organstörungen, Verletzungen, Infektionen, Durchblutungsstörungen, insbesondere der Hand, der Weichteile und der Haut
  • Erstversorgung von komplexen Verletzungen
  • Schwere Weichteilverletzungen (5)
  • Erstversorgung komplexer Handverletzungen und Amputationen sowie Therapieplanung (5)
  • Wundversorgung großer Gesichts- und Kopfwunden (10)
  • Weichteilinfektionen (10)
  • Primäre Reposition von Luxationen und Frakturen an Hand und Handgelenk (10)
  • Extravasationen
  • Escharotomie und Kompartmentspaltung (5)

Diagnostische Verfahren:

  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Weichteilsonographie (100)
  • Duplexsonographie der peripheren Gefäße

Rekonstruktive plastische Eingriffe:

  • Therapieoptionen bei tiefgehenden, ausgedehnten und fortschreitenden Entzündungen nach operativer Versorgung oder bei Weichteiluntergang mit Nekrosen von Haut, Faszien und Muskeln einschließlich Kompartmentsyndrom sowie angeborener Fehlbildungen, erworbener Erkrankungen und Verletzungen von funktionellen Strukturen
  • Grundlagen der chirurgischen Onkologie einschließlich der konservativen und operativen Behandlungsmethoden
  • Operationsschritte bei rekonstruktiven Eingriffen an Rumpf und Extremitäten, bei Narben- und Nabelhernien
  • Débridement und Resektionen sowie Defektdeckung bei Infektionen und Tumoren einschließlich der septischen Traumachirurgie (25), davon allschichtige Resektionen bei Osteomyelitis (5)
  • Mikrochirurgische Gefäßanastomosen (20)
  • Erste Assistenz bei freien mikrovaskulär angeschlossenen Lappenplastiken einschließlich Hebung (5)
  • Erste Assistenz bei motorischen Ersatzplastiken (5)
  • Erste Assistenz bei mikrovaskulären gestielten Lappenplastiken (25)
  • Hauttransplantationen (25)
  • Myokutane Lappenplastiken (5)
  • Rekonstruktive Eingriffe im Kopf- und Halsbereich, davon

– lokale Lappenplastiken (10)
– gefäßgestielte Lappenplastiken (5)

  • Erste Assistenz bei komplexen Rekonstruktionen im Kopf- und Halsbereich (5)
  • Rekonstruktive Eingriffe an der Thoraxwand (15), davon gefäßgestielte Lappenplastiken (10)
  • Rekonstruktive Eingriffe im Bereich der Mamma (20), davon Brustrekonstruktionen mit Expander, Implantat und/oder Eigengewebe (10)
  • Rekonstruktive Eingriffe an Rumpf und Extremitäten, davon

– lokale Lappenplastiken (20), davon gefäßgestielte Lappenplastiken (10)
– Defektdeckung bei Dekubitalulcera (10)

  • Rekonstruktive Eingriffe am äußeren Genitale, z. B. bei Tumoren, Genitalverstümmelung
  • Nervendekompressionen, auch bei Karpaltunnelsyndrom
  • Primäre Koaptationen bzw. Transplantationen an Nerven (20), davon

– an stammnahen Nerven (5)
– bei Transplantationen (5)

  • Wiederherstellung von Knorpel- und Knochenstrukturen an den Extremitäten (5)
  • Rekonstruktiv-plastische Eingriffe am Fuß einschließlich Korrekturen am knöchernen Skelett (5)

Ästhetisch-chirurgische und körperformende Maßnahmen:

  • Planung, Indikation, Aufklärung und Grenzen bei der Anwendung ästhetischer Maßnahmen unter Berücksichtigung psychologischer und psychosomatischer Exploration
  • Standardisierte Fotodokumentation
  • Ohrmuschelkorrekturen
  • Augenlidkorrekturen
  • Eingriffe an der Mamma (20), davon

– Mammareduktionplastiken und Mastopexien (10)
– Augmentationsplastiken (5)
– operative Korrektur von Gynäkomastie/Lipomastie (5)

  • Aspirationslipektomien zur Körperkonturierung an Rumpf und Extremitäten (10)
  • Abdominoplastiken (10)
  • Oberarm- oder Oberschenkelstraffungen (5)
  • Erste Assistenz bei der Septorhinoplastik (5)
  • Erste Assistenz bei Gesichts- und Halsstraffungen (5)

Verbrennungsmedizinische Eingriffe:

  • Diagnostik und Erstversorgung (Schwer-)Brandverletzter (25), davon

– Verbrennungen 2. Grades von mehr als 10 % der Körperoberfläche bei Erwachsenen (15)
– Verbrennungen 3. Grades von mehr als 5 % der Körperoberfläche bei Erwachsenen (5)
– Verbrennungen der Hände, Füße, im Gesichts- und Genitalbereich
– Verbrennungen 2. und 3. Grades bei Kindern

  • Therapieroptionen bei Verbrennungen 2. und 3. Grades sowie bei durch elektrischen Strom verursachten thermischen Schäden oder entsprechender Schädigung durch chemische Substanzen, auch im Gesicht, an Hand, Fuß oder im Genitalbereich sowie bei schwerwiegenden, großflächigen exfolitativen Hauterkrankungen oder allergischen Hautreaktionen
  • Anwendung chirurgischer Hautersatzverfahren (50), davon nicht autolog (15)
  • Rekonstruktive Eingriffe bei Verbrennungen (5)
  • Narbenkorrekturen nach Verbrennungen (10)
  • Gewinnung und Verwendung von Hauttransplantaten einschließlich Keratinozytenzüchtung

Handchirurgische Eingriffe:

  • Angeborene Fehlbildungen und erworbene Erkrankungen und Verletzungen der Hand
  • Eingriffe an der Hand, davon

– Dupuytrensche Kontrakturen unterschiedlicher Schweregrade (10)
– Ringbandspaltungen (5)
– Resektion von Ganglien sowie Synovialitis (10)
– Strecksehnen-Naht (10)
– Beugesehnen-Naht (5)
– Bandersatzplastik einschließlich Bandnaht (5)

  • Fingeramputationen und Handverschmälerungen
  • Erste Assistenz bei Replantationen und schweren komplexen Handverletzungen (5)
  • Operative Versorgung bei Infektionen im Bereich der Hand
  • Osteosynthetische Versorgung der Hand im Rahmen von Replantationen (15)
  • Konservative Frakturbehandlung und Ruhigstellungsverfahren nach Handoperationen
  • Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen nach Handverletzungen

Strahlenschutz:

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Facharztausbildung Plastische und Ästhetische Chirurgie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Plastische und Ästhetische Chirurgie, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Plastische und Ästhetische Chirurgie zum Download an.

Passende Jobs in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Plastische und Ästhetische Chirurgie Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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