Weiterbildung Facharzt Orthopaedie Unfallchirurgie

Facharztausbildung: Weiterbildung Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Das Fachgebiet Orthopädie und Unfallchirurgie beschäftigt sich mit dem menschlichen Stütz- und Bewegungsapparat, welche sich aus Knochen, Sehnen und Muskeln zusammensetzt. Der Orthopäde beschäftigt sich mit der Diagnose, Therapie und Behandlung von Krankheiten des Bewegungsapparates, aber auch mit der Vorbeugung. Krankheitsbilder im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie sind beispielsweise Arthritis, Arthrose, Frakturen, Muskelverletzungen oder Osteoporose.

Inhalt

Facharztausbildung Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Nach dem Abschluss des Medizinstudiums erhält der Mediziner die Approbation und darf den Titel Arzt tragen. Danach erfolgt eine Spezialisierung auf genau einen ärztlichen Fachbereich im Rahmen der Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit wird als Facharztausbildung bezeichnet, in diesem Fall die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Voraussetzung für den Beginn der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie ist der Erhalt der Approbation.

Nach Abschluss der mehrjährigen Facharztausbildung, wird der Facharzttitel im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie erlangt.

Dauer der Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie

Die Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie beträgt insgesamt 72 Monate, was einem Zeitraum von 6 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der Orthopädie und Unfallchirurgie  wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert.

Insgesamt ist die Weiterbildungszeit wie folgt abzuleisten, jeweils:

  • müssen 48 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolge-

Inhalte Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern sind die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte Orthopädie und Unfallchirurgie

  • Biomechanik der Bewegungsorgane
  • Technische und biomechanische Grundlagen operativer und konservativer Verfahren
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (10)
  • Einleitung und Durchführung von berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren

Diagnostische Verfahren

  • Richtungsweisende Sonographie der Säuglingshüfte
  • Durchführung und Befunderstellung von Ultraschalluntersuchungen (300), davon:
    • Notfallsonographien (eFAST) (50)
    • am Bewegungsapparat einschließlich Arthrosonographien (50)
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von konventioneller Röntgendiagnostik, davon
    • Notfalldiagnostik: Röntgendiagnostik ohne CT im Rahmen der Erstversorgung bei Erwachsenen und Kindern
    • am Skelett
    • intraoperative radiologische Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der Osteodensitometrie (50)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation neurophysiologischer Diagnostik

Weichteilverletzungen und Wunden

  • Therapieoptionen komplexer Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen sowie Infektionen der Weichteile, des Knochens und der Gelenke
  • Diagnostik von komplexen Weichteilverletzungen und Wunden, die mit einer Knochenverletzung einhergehen
  • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen einschließlich einfacher thermischer Verletzungen
  • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms

Konservative Therapiemaßnahmen

  • Grundlagen manualmedizinischer Verfahren
  • Indikationsstellung, Überwachung und Dokumentation von Verordnungen der physikalischen Therapie bei Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane, insbesondere
    • zur Prävention
    • zur Frühmobilisation und Rehabilitation
  • Therapieoptionen einschließlich schmerztherapeutischer Maßnahmen bei degenerativ-entzündlichen Erkrankungen
  • Konservative Therapie einschließlich schmerztherapeutischer Maßnahmen, davon
    • bei degenerativen Erkrankungen (100)
    • bei angeborenen und erworbenen Deformitäten im Kindes- und Erwachsenenalter (100)
    • bei Luxationen, Frakturen, Distorsionen  (200)
  • Injektionen und Punktionen an Stütz- und Bewegungsorganen auch radiologisch/sonographisch gestützt, davon
    • an der Wirbelsäule (50)
  • Indikation, Gebrauchsschulung und Überwachung von Hilfsmitteln an den Stütz- und Bewegungsorganen, insbesondere bei Einlagen, Orthesen und Prothesen
  • Grundlagen alternativer Heilverfahren

Deformitäten und Reifungsstörungen

  • Angeborene und erworbene Deformitäten im Kindes- und Jugendalter, z. B. bei Hüftdysplasie, Wirbelsäulen- und Fußdeformitäten
  • Diagnostik angeborener und erworbener Deformitäten und Reifungsstörungen der Stütz- und Bewegungsorgane

Rheumatische Erkrankungen

  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Therapieoptionen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen an den Bewegungsorganen

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand und des Unterarms

  • Verletzungen und Funktionsstörungen der Hand und des Unterarms
  • Erstversorgung von Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand und des Unterarms (20)

Sportverletzungen

  • Diagnostik und Therapie von Sportverletzungen und Sportschäden

Tumore an den Stütz- und Bewegungsorganen

  • Konservative und operative Therapieoptionen von muskuloskelettalen Tumorerkrankungen
  • Diagnostik von muskuloskelettalen Tumorerkrankungen

Polytraumamanagement

  • Diagnostik, Therapie und interdisziplinäres Management für Schwer- und Mehrfachverletzte, davon
    • mit einem Injury Severity Score (ISS) von mindestens 16 Punkten (10)

Operative Verfahren

  • Grundlagen der operativen Technik und Operationsschritte bei Erkrankungen und Verletzungen an den Stütz- und Bewegungsorganen
  • Weichteileingriffe, insbesondere an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren, Nerven, Synovia (50), davon
    • Nervenfreilegungen und Neurolysen (10)
    • notfallmäßige Versorgung von Gefäßen (10)
  • Therapeutische Arthroskopien an großen Gelenken, insbesondere Knie-, Sprung- und Schultergelenk (60), davon
    • Knie (20)
    • Schulter (20)
  • Osteosynthesen bei Frakturen und Osteotomien an der oberen Extremität ( 60), davon
    • Plattenosteosynthesen (10)
    • Marknagelungen (10)
    • Fixateur externe (10)
    • Zuggurtungsosteosynthesen (5)
  • Osteosynthesen bei Frakturen und Osteotomien an der unteren Extremität (60), davon
    • Plattenosteosynthesen (10)
    • Marknagelungen (10)
    • Fixateur externe (10)
    • Zuggurtungsosteosynthesen (5)
  • Versorgung mit Primärendoprothesen (Richtzahl: 40), davon
    • Hüfte (20)
    • Knie (10)
  • Becken- und Wirbelsäuleneingriffe (Richtzahl: 15)
  • Operative Therapie bei Infektionen an Weichteilen, Knochen oder Gelenken (Richtzahl: 20)
  • Implantatentfernungen (Richtzahl: 50)
  • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. bei Implantatwechsel (Richtzahl: 20)

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quelle: Musterweiterbildungsordnung Bundesärzterkammer 2018

Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie.

Nachdem alle Inhalte der Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie erfolgreich durchlaufen wurden, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Orthopädie und Unfallchirurgie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster Logbuch Orthopädie und Unfallchirurgie zum  Download an.

Passende Jobs in der Orthopädie und Unfallchirurgie

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