Facharztausbildung Weiterbildung Kinderchirurgie

Weiterbildung Kinderchirurgie: Facharztausbildung zum Kinderchirurgen

Die Kinderchirurgie ist ein Teilgebiet der Chirurgie. Im Gegensatz zur Erwachsenenchirurgie schließt sie den gesamten kindlichen Körper mit allen Organen ein. In der Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie erlernt man u.a.Diagnostik, Therapie sowie Nachsorge von chirurgischen und urologischen Erkrankungen, Fehlbildungen, Tumore, Verletzungen und Unfallfolgen von Kindern einschließlich pränataler Chirurgie.  Eine Unterteilung in mehrere Subdisziplinen gibt es nicht, da bei Kindern Krankheiten meist mehrere Organe gleichzeitig betreffen und auch oft eine spezielle Dynamik aufweisen.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Kinderchirurgie spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Kinderchirurgie erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Kinderchirurgie

Die Weiterbildungszeit in der Gefäßchirurgie von 72 Monaten ( 6 Jahre) wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon werden

  • 48 Monate in Kinderchirurgie abgeleistet
  • 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet
  • 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen abgeleistet
  • bis zu 12 Monate zum Kompetenzerwerb Weiterbildung können in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Kinderchirurgie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Kinderchirurgie

  • Epidemiologie, Embryologie und Klassifikation typischer kinderchirurgischer Krankheitsbilder
  • Grundlagen der neurologischen und sozialen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
  • Besonderheiten der Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter
  • Prävention, typische Symptomatik, Früherkennung und Differentialdiagnostik kinderchirurgischer Krankheitsbilder einschließlich Beratung zur Unfallprävention im Kindes- und Jugendalter
  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (3)
  • Besonderheiten der Arzneimitteltherapie im Kindesalter
  • Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen
  • Transition im Kontext der zugrunde liegenden Erkrankung

Diagnostische Verfahren

  • Klinische Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen unter Beachtung der Besonderheiten unterschiedlicher Altersgruppen
  • Typische, krankheitsspezifische Laborkonstellationen
  • Funktionsuntersuchungen, insbesondere pH-Metrie, Urodynamik, Rektummanometrie
  • Tracheobronchoskopie und Koloskopie
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation konventioneller Röntgenuntersuchungen
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Diagnostische und interventionelle Möglichkeiten von CT, MRT und Angiographie
  • Durchführung von Ultraschalluntersuchungen

– des Abdomens und des Retroperitoneums (200)
– der Urogenitalorgane (100)
– von Weichteilen und des Bewegungsapparats (100)
– durch die offene Fontanelle (100)

  • Ultraschalluntersuchung der Säuglingshüfte
  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie einschließlich Probenentnahme und Entfernung von Fremdkörpern (20)
  • Rektosigmoidoskopie einschließlich Probenentnahme und Entfernung von Fremdkörpern (10)

Prä- und postoperative Behandlung

  • Altersspezifische Infusionstherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Indikationsstellung zur konservativen/operativen Therapie einschließlich Beratung
  • Therapieoptionen und Grundlagen der Beratung bei pränatal festgestellten Fehlbildungen
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände und Schmerztherapie unter differenziertem Einsatz verschiedener Methoden, z. B. patientengesteuerte Analgesie (PCA)
  • Grundlagen der prä- und postoperativen Betreuung von Früh- und Neugeborenen
  • Grundlagen der Intensivtherapie im Kindesalter
  • Altersspezifische Nachsorge und Langzeitbetreuung nach kinderchirurgischen Eingriffen
  • Einleitung physikalischer Therapien und rehabilitativer Maßnahmen

Kinderchirurgische Notfälle

  • Erstversorgung von Platz-, Schnitt-, Stich- und Bisswunden sowie ausgedehnten Weichteilverletzungen
  • Pädiatrische Differentialdiagnosen im Notfall
  • Kindspezifisches Traumamanagement und Reanimation
  • Legen von Drainagen, insbesondere Thoraxdrainagen
  • Durchführung von Punktionen, insbesondere Gelenkpunktionen
  • Lokal- und Regionalanästhesie, Analgesie und Sedierung (50)

Traumatologie

  • Einleitung von Maßnahmen bei Kindswohlgefährdung, Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch
  • Diagnostik und Therapie des leichten und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumas
  • Schweres Schädel-Hirn-Trauma
  • Entlastung epi- und subduraler Blutungen
  • Wachstums- und altersspezifische Besonderheiten knöcherner Verletzungen einschließlich wachstumsspezifischer Korrekturprozesse
  • Indikationsstellung zur altersspezifischen Behandlung knöcherner Verletzungen im Kindesund Jugendalter
  • Konservative Frakturbehandlung einschließlich geschlossener Repositionen (50)
  • Reposition und Osteosynthese von Frakturen, davon

– diaphysär (25)
– meta- und epiphysär (50)

  • Metallentfernungen (25)
  • Konservative Therapie von parenchymatösen Organverletzungen
  • Operative Therapie von parenchymatösen Organverletzungen

Kopf und Hals

  • Behandlungsprinzipien des Hydrocephalus, insbesondere der temporären und permanenten Ableitung sowie Management der Ableitungsinfektion und -dysfunktion
  • Ohrmuscheldysplasie
  • Exstirpation gutartiger Tumore, z. B. Dermoide, Ohranhängsel (15)
  • Exstirpation von Halsfisteln, Halszysten und Lymphknoten (10)
  • Tracheostomaanlage und -versorgung
  • Behandlung des muskulären Schiefhalses

Thorax

  • Angeborene Fehlbildungen der Lunge und der Thoraxwand
  • Persistierender Ductus arteriosus (Botalli)
  • Thorakotomie als operativer Zugangsweg, diagnostische Thorakoskopie, atypische Lungenresektion (10)
  • Erste Assistenz bei anatomischer Lungenresektion, therapeutische Thorakotomie und Thorakoskopie sowie Brustwandkorrektur (15)
  • Erkrankungen und Fehlbildungen der Speiseröhre, insbesondere Ösophagusatresie, Verätzungen, Stenosen und Funktionsstörungen, z. B. Gastroösophagealer Reflux, Achalasie

Abdomen und Bauchwand

  • Fehlbildungen und Funktionsstörungen von abdominellen Organen, Bauchwand und Zwerchfell
  • Erste Assistenz bei der Korrektur von Atresien des Gastrointestinaltraktes, Bauchwanddefekten, intestinalen Passage- und Innervationsstörungen und Zwerchfelldefekten (20)
  • Eingriffe in der Bauchhöhle, insbesondere Anlage Anus praeter, Darmanastomose, Gastrostomie, explorative Laparoskopie (60), davon 15 bei  Säuglingen.
  • Appendektomie (25)
  • Laparotomie als operativer Zugangsweg (15)
  • Chirurgisches Management bei nekrotisierender Enterokolitis
  • Operationstechniken der Cholecystektomie, Fundoplicatio, insbesondere laparoskopisch
  • Differentialdiagnostik des akuten Abdomens, z. B. Ileus, Entzündung, Obstipation, Erbrechen, Gastroenteritis
  • Erste Assistenz bei Laparotomien höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Revisionen und abdominelle Tumoroperationen (30)
  • Inguinale Herniotomie (75), davon 20 bei Säuglingen
  • Herniotomie an der vorderen Bauchwand (15)

Niere, ableitende, Harnwege und Geschlechtsorgane

  • Diagnostik und konservatives Management kinderurologischer Erkrankungen, insbesondere akutes Skrotum, Maldeszensus testis, Harnwegsinfekte, Hämaturie, Harntransportstörungen, Fehlbildungen
  • Kinderurologische Eingriffe, insbesondere Vorhautkorrektur, Hodenfreilegung, Meatotomie, Anlage einer temporären Harnableitung (50)
  • Orchidopexie einschließlich Funikolyse (30)
  • Zystoskopie (15)
  • Harnröhrenfehlbildungen und Harntransportstörungen
  • Erste Assistenz bei der Korrektur von Harnröhrenfehlbildungen, Doppelnieren, Harntransportstörungen und Eingriffen zur Harnableitung, insbesondere Urethralplastik, Nierenbeckenplastik, Ureterozystoneostomie (20)
  • Sexualdifferenzierungsstörungen (DSD)

Haut und Weichteile

  • Konservative und operative Therapie entzündlicher Prozesse, insbesondere Abszess und Phlegmone
  • Eingriffe an Haut und Weichteilen, insbesondere bei benignen Tumoren, Ganglien, Hautanhängseln sowie Lymphknoten-Biopsie und Muskel-Probeexzision
  • Management thermischer Verletzungen einschließlich Hauttransplantation und Hautersatz
  • Behandlung thermischer Verletzungen bis Grad IIb
  • Narben- und Kontrakturbehandlung

Hand und Fuß

  • Poly- und Syndaktylien
  • Sehnen- und Nervenverletzungen

Gefäße

  • Gefäßverletzungen
  • Anlage von zentralen Venenverweilsystemen (10)
  • Gefäßtumore, insbesondere Hämangiom und Lymphangiom

Tumorerkrankungen

Krankheitsbilder der pädiatrischen Onkologie und ihre Behandlung im Rahmen von Therapieprotokollen, insbesondere operative Behandlungsprinzipien

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Facharztausbildung Kinderchirurgie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Kinderchirurgie.

Nachdem alle Inhalte der Weiterbildung Kinderchirurgie erfolgreich durchlaufen wurden, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Kinderchirurgie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Kinderchirurgie zum Download an.

Passende Jobs in der Kinderchirurgie

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Kinderchirurgie Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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